Komponist und Dirigent, geboren am 23. November 1933 in Debica.
Penderecki nahm zunächst Privatunterricht in Komposition bei Franciszek Skolyszewski, von 1955 bis 1958 studierte er an der Staatlichen Musikhochschule (der heutigen Musikakademie) in Krakau bei Artur Malawski und Stanislaw Wiechowicz. Ab 1958 lehrte er dort Komposition, 1972 wurde er Professor und übernahm den Posten des Rektors (bis 1987). Außerdem hatte er eine Dozentenstelle an der Folkwang-Hochschule in Essen (1966-68) und eine Professur an der Yale University, New Haven (1973-78). Von seiner Tätigkeit als Künstler und Pädagoge zeugen die folgenden Auszeichnungen und Preise:
1959 gewann Penderecki den ersten, zweiten und dritten Preis beim
WETTBEWERB JUNGER POLNISCHER KOMPONISTEN DES KOMPONISTENVERBANDES (die Werke waren anonym eingereicht worden) für seine Werke
STROPHEN für Sopran, Sprecher und 10 Instrumente (1959),
EMANATIONEN für zwei Streichorchester (1958-59) und
AUS DEN PSALMEN DAVIDS für gemischten Chor, Schlagzeug und Celesta (1958). 1961 erhielt er für seine
THRENOS FÜR DIE OPFER VON HIROSHIMA für 52 Streichinstrumente (1959-61) den Preis der
Tribune Internationale des Compositeurs in Paris. Zweimal wurde er mit dem Prix Italia ausgezeichnet: 1968 für
DIES IRAE, EIN ORATORIUM ZUM GEDÄCHTNIS DER OPFER VON AUSCHWITZ für Sopran, Tenor, Bariton, gemischten Chor und Orchester (1967) und 1972 für
PASSIO ET MORS DOMINI NOSTRI JESU CHRISTI SECUNDUM LUCAM für Sopran, Bariton, Bass, Sprecher, Knabenchor, 3 gemischte Chöre, Orgel und Orchester (1963-66). Außerdem erhielt er: den Polnischen Staatspreis ersten Grades (1968, 1983), den Preis des Polnischen Komponistenverbandes (1970), den Gottfried-von-Herder-Preis (1977), den Sibelius-Preis der Wihuri-Stiftung (1983), den Premio Lorenzo Magnifico (1985), den israelischen Karl-Wolf-Preis (1987), den Grammy Award (1988), den Grawemeyer Award der University of Louisville (1992), den Musikpreis der UNESCO und des Internationalen Musikrates (1993). Penderecki ist Ehrendoktor der Universitäten von Rochester, Bordeaux, Leuven, Belgrad, Washington, Madrid, Posen, Warschau und Glasgow. Er ist Ehrenmitglied der Royal Academy of Music in London, der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom, der Kungliga Musikaliska Akademien in Stockholm, der Akademie der Künste in Berlin, der Academia Nacional de Bellas Artes in Buenos Aires, der Académie Nationale des Sciences, Belles-lettres et Arts in Bordeaux und der Royal Academy of Music in Dublin. 1990 wurde ihm das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen, 1993 der Kulturelle Verdienstorden des Fürstentums Monaco und 1994 das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kultur. 1993 erhielt er das Kommandeurskreuz mit Stern des Ordens Polonia Restituta. Seit seinem Debüt als Dirigent des London Symphony Orchestra im Jahre 1973 tritt er mit den besten Sinfonieorchestern Europas und der USA auf. Er war der erste Gastdirigent des NDR-Sinfonieorchesters in Hamburg. 1995 leitete er die Sinfonia Varsovia während ihrer Tournee durch die Vereinigten Staaten. 1997 gab er ein Buch mit dem Titel "Labirynt czasu. Piec wykladow na koniec wieku" / "Das Labyrinth der Zeit. Fünf Vorlesungen zum Ende des Jahrhunderts" (Warschau: Presspublica 1997).
Krzysztof Penderecki stellt in der Geschichte der Musik (nicht nur der polnischen) ein außergewöhnliches Phänomen dar. Wohl kein Musiker des 20. Jahrhunderts machte eine solche Karriere wie er - schon gar nicht in dieser Geschwindigkeit! Am ehesten ist seine Karriere vielleicht mit der Igor Strawinskys vergleichbar. Und genau wie Strawinskys Karriere, so verlief auch Pendereckis künstlerische Entwicklung keineswegs geradlinig. Gleich zu Beginn seiner Karriere feierte er große Erfolge. Bei der Preisverleihung des 2.
WETTBEWERBS JUNGER POLNISCHER KOMPONISTEN DES KOMPONISTENVERBANDES 1959 erwies sich im Laufe der Entschlüsselung der Chiffre, mit denen die anonym eingereichten Partituren versehen waren, dass der Gewinner des ersten, zweiten und dritten Preises ein völlig unbekannter, achtundzwanzigjähriger Assistent des Fachbereichs Komposition an der Krakauer Musikhochschule war: Krzysztof Penderecki! Die von der Jury ausgezeichneten Werke waren:
STROPHEN für Sopran, Sprecher und 10 Instrumente,
EMANATIONEN für zwei Streichorchester (1958-59) und
AUS DEN PSALMEN DAVIDS für gemischten Chor, Schlagzeug und Celesta (1958). Als die
STROPHEN im selben Jahr auf dem
WARSCHAUER HERBSTFESTIVAL aufgeführt wurden, hörte der deutsche Verleger Herman Moeck das Werk und nahm die Partitur gleich mit. Bald darauf wurde das Werk in ganz Europa gespielt und Penderecki erhielt einen Auftrag der Musiktage in Donaueschingen.1960 komponiert er ein Werk mit dem Titel
8'37'' (bezeichnet nach der Aufführungsdauer), für das er im darauf folgenden Jahr den Preis der
Tribune Internationale des Compositeurs in Paris erhielt. Das Werk trug nun den Namen
THRENOS FÜR DIE OPFER VON HIROSHIMA und wurde von Radiosendern auf der ganzen Welt gespielt. Penderecki wurde zum führenden Vertreter der musikalischen Avantgarde seiner Zeit. Das ungewöhnliche Werk
FLUORESCENCES, das im Jahre 1962 auf den Musiktagen von Donaueschingen uraufgeführt wurde, festigte diesen Ruf. Neben den traditionellen Orchesterinstrumenten verwendete Penderecki eine Stahlplatte um Donner zu imitieren, Pfeifen, Glas- und Eisenstücke, die mit einer Feile bearbeitet wurden, Ratschen, eine elektroakustische Glocke, eine singende Säge, eine Schreibmaschine und eine Sirene. Auch die traditionellen Instrumente klangen fremdartig, da die Töne auf gänzlich unkonventionelle Weise erzeugt wurden. Die ganze Musikwelt kannte nun Penderecki. So schien es zumindest... bis zur Uraufführung seiner
LUKAS-PASSION 1966 in Münster. In ihr brach Penderecki mit dem Radikalismus der Avantgarde. Er hatte ein Werk geschaffen, das auch den „einfachen Musikliebhaber“ erreichte, mit nachvollziehbarem Inhalt, Aufbau und Emotionalität. Er selbst sagte "Es ist mir egal, wie man die Lukas-Passion bezeichnet, ob nun als traditionell oder avantgardistisch. Für mich ist sie einfach authentisch. Und das muss genügen." Es genügt bis heute. Penderecki ist in jedem seiner Werke er selbst. Er lässt sich nicht von der negativen Kritik entmutigen, der er sich zuletzt immer häufiger ausgesetzt sieht. Seine 1978 entstandene Oper
PARADISE LOST wurde zum Beispiel als ein Pastiche der Musik Richard Wagners bezeichnet. Für Penderecki war dies kein Kompliment. Er lässt sich jedoch nicht von seinem Weg abbringen und komponiert genau die Musik, die er komponieren will. Kann man also wirklich sagen, er habe die Ideale seiner Jugend verloren?
Polnisches Informationszentrum für Musik Polnischer Komponistenverband November 2001, März 2004 | |