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Anthologie der polnischen Dichtung
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"Sie ist wie ein Paradiesvogel, der einem immer wieder aus den Händen gleitet. Nur manchmal gelingt es einem, ihr Wesen zu erfassen oder sich ihr zumindest anzunähern. Sie bietet unendlich viele Interpretationsmöglichkeiten, sie ermöglicht eine ständige Weiterentwicklung des eigenen ästhetischen Empfindens, des eigenen künstlerischen Geschmacks, sie lässt einen das selbe Werk auf unterschiedliche Art und Weise sehen und sich ihm individuell und immer wieder aufs Neue annähern. Es gibt da etwas in der Chopinschen Musik, dass einen dazu reizt, das selbe Fragment immer wieder anders zu spielen, die selbe Phrase immer wieder neu zu gestalten. Wenn man die Werke Chopins spielen möchte, benötigt man – nach Janusz Olejniczak – eine Vorstellung von ihrer Ganzheit. Doch die endgültige Vision entsteht erst während des Spielens selbst. Meine Demut gegenüber Chopin erlaubt es mir nicht, mich mit einer bestimmten Version zufrieden zu geben, zu sagen, ein Fragment sei in eben dieser Form definitiv am Besten. Ich muss es also immer wieder aufs Neue versuchen."Janusz Olejniczak fühlt sich Chopin auf eine besondere Weise verbunden, manchmal behauptet er sogar scherzhafterweise, er habe sich mit dem Geist Chopins angefreundet. Diese Verbundenheit entstand mit der Teilnahme am CHOPIN-WETTBEWERB. Bekanntermaßen ist es für einen polnischen Pianisten kaum möglich, ohne eine Teilnahme an diesem Wettbewerb in Polen bekannt zu werden. Olejniczak nahm also teil, erhielt für ihn selbst unerwartet einen Preis und machte sich so dank Chopin einen Namen. Glücklicherweise hatte er jedoch schon immer ein Faible für die Musik Chopins gehabt und sie nie als einen Zwang empfunden. Früher musste er auf jedem seiner Konzerte Chopin spielen. Außerhalb Polens kündigte man ihn als polnischen Pianisten und Preisträger des VIII. CHOPIN-WETTBEWERBES an. Doch obwohl er heute sein Repertoire selbst bestimmen kann, wählt er noch immer bevorzugt die Werke Chopins aus. An seinen ersten Kontakt mit der Musik Chopins erinnert er sich noch genau:
"Ich war voller spontaner Begeisterung über einzelne Phrasen und hatte diese besondere Frische des Blicks. Vieles von dieser Unmittelbarkeit ist im Laufe der Jahre zerstört worden, an ihre Stelle trat die Reflexion, das Nachdenken. Man beginnt nach neuen Ideen für diese oder jene Phrase zu suchen, denkt über einzelne Motive nach – und man verliert diesen ersten, natürlichen Ansatz. Man beginnt 'Kniffe' zu verwenden, die einem als interessante musikalische Varianten erscheinen, und doch nicht mehr sind als oberflächliche Spielereien und Klamauk. Doch Chopin verträgt keine Routine, man muss ihn immer wieder aufs Neue fühlen und reifes Empfinden mit spontaner Emotion verbinden. Eben dies macht die Schwierigkeit dieser Musik aus, sobald man jedoch den richtigen Schlüssel zu ihr gefunden hat, gibt es keine größere Befriedigung als Chopin zu spielen."
Polnisches Informationszentrum für Musik Polnischer Komponistenverband Dezember 2002 |
