Geb. 1944 in dem Dorf Okolek, studierte Polonistik und Slawistik an der Warschauer Universität und debütierte 1974 in der Kulturzeitschrift "Literatura" (Literatur).
Nurowskas Bücher sind mit der faszinierenden Biographie der Autorin eng verbunden. Sie ist die Enkelin eines Aristokraten - des Schlossherrn von Homel - und die Tochter eines Legionärs und einer Soldatin der "Heimatarmee", die während des Zweiten Weltkriegs im Untergrund gegen die deutsche Besatzung kämpfte; eine außergewöhnliche Frau, die nach dem Krieg zu einer glühenden Kommunistin wurde. Auch die Heldinnen von Maria Nurowska sind außergewöhnliche Frauen. Die Autorin beschreibt sie als leidenschaftliche Liebende, deren Partner - verstrickt in die große Politik und enttäuscht vom Gang der Geschichte - nicht fähig sind, mit diesen Frauen Schritt zu halten.
Nurowska repräsentiert die sog. weibliche Prosa und ist im Moment eine der meistgelesenen Autorinnen in Polen. Sie bedient sich oft der Melodramatik (z.B. in den Romanen
Hiszpanskie oczy / Spanische Augen,
Listy milosci / Briefe der Liebe,
Panny i wdowy / Mädchen und Witwen), um ein psychologisches Porträt ihrer Gestalten wiederzugeben oder den Konflikt des Protagonisten mit der ihn umgebenden Realität aufzuzeigen. Die Aktion findet dann in einer bestimmten historischen Realität statt (Zweiter Weltkrieg). Die Romane
Po tamtej stronie smierc / Jenseits ist der Tod,
Kontredans / Kontertanz und
Postscriptum / Postscriptum für Anna und Myriam spielen sich dagegen in der Gegenwart ab.
Nurowskas Grundstoff ist vor allem die Poetik des Liebesromans und des psychologischen Romans, in die sie aber auch sozial-politische Elemente einfließen lässt. Dabei nutzt sie die ganze Palette von Kitsch und Emotion: das Stereotyp prallt auf das Einzigartige, das Banale auf das Außergewöhnliche. Der Leser ist schnell gerührt, doch gleichzeitig wird er zu tiefer Reflexion angeregt. Mit geübter Hand skizziert die Autorin ihre Protagonisten und treibt die Handlung voran, wobei sie sich an der Grenze von bewusster Übertreibung und Naivität bewegt und aufzeigt, wie grotesk das Schicksal einer hoffnungslos verliebten Frau sein kann.
"Ich will das verkaufen, was ich durchlebe, das macht meinen Beruf aus. Ich denke, dass man mir das nicht vorwerfen kann. Die Literatur beruht doch schließlich darauf, dass der Autor seine Erfahrungen und sich selbst verkauft." (Maria Nurowska)
Ausgewählte Bibliographie:
- Nie strzelac do Organisty / Bitte nicht auf den Organisten schiessen (opowiadania / Erzählungen), Warszawa: Czytelnik, 1975
- Moje zycie z Marlonem Brando / Mein Leben mit Marlon
Brando, Warszawa: Czytelnik, 1976
- Po tamtej stronie smierc / Jenseits ist der Tod,
Warszawa: Czytelnik, 1977
- Reszta swiata / Das Mädchen im Elfenbeinturm, Warszawa: Ludowa Spoldzielnia Wydawnicza, 1981
- Kontredans / Kontertanz, Warszawa: Czytelnik, 1983
- Innego zycia nie bedzie / Ein anderes Leben gibt es nicht, Warszawa: PIW, 1987
- Postscriptum / Postscriptum für Anna und Myriam, Krakow: WL, 1989
- Hiszpanskie oczy / Spanische Augen, Warszawa: "Alfa", 1990
- Litsty mil;osci / Briefe der Liebe, Warszawa: "Alfa", 1991
- Panny i wdowy / Mädchen und Witwen (1: Zniewolenie / Gefangen, 1991, 2: Poker / Poker, 1991, 3: Piolun / Wermut, 1992, 4: Czysciec / Fegefeuer, 1992), alle Teile: Warszawa: NOWA
- Gry malzenskie / Ehespiele, Warszawa: NOWA, 1994
- Rosyjski kochanek / Der russische Geliebte, Warszawa: W.A.B., 1996
- Wiek samotnosci / Jahrhundert der Einsamkeit, Wroclaw: Siedmiorog, 1996
- Tango dla trojga / Tango für drei, Wroclaw: Siedmiorog, 1997
- Milosnica / Die Geliebte, Londyn: Puls, 1998
- Niemiecki taniec / Ein deutscher Tanz, Warszawa: W.A.B., 2000
Übersetzungen:
- Deutsch: Jenseits ist der Tod / Po tamtej stronie smierc, Reinbeck: Rowohlt, 1981; Das Mädchen im Elfenbeinturm / Reszta swiata, Berlin: Verlag Neues Leben, 1985; Ein anderes Leben gibt es nicht / Innego zycia nie bedzie, Frankfurt a.M.: S. Fischer, 1994; Briefe der Liebe / Listy milosci, Frankfurt a.M.: S.Fischer, 1992; Ehespiele / Gry malzenskie, Frankfurt a.M.: S.Fischer, 1995; Postscriptum für Anna und Myriam, Frankfurt a.M.: S. Fischer, 1991; Spanische Augen / Hiszpanskie oczy, Frankfurt a.M.: Fischer Taschenbuch, 1994; Der russische Geliebte / Rosyjski kochanek, Bern: Scherz Verlag, 1998
- Französisch: Post-Scriptum pour Myriam et Anna, Paris: Denoel, 1993