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Anthologie der polnischen Dichtung
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"macht das Absurde und Groteske jedem Zuschauer zuteil und beschert ihm auch ein wenig von echter Verzweiflung und metaphysischer Unruhe." – schrieb Piotr Gruszczynski ("Tygodnik Powszechny" / "Allgemeine Wochenzeitung", 2. März 1997).Jarzyna verlieh Witkacys Drama einen sehr modernen Zug, er erzählte von der heutigen "Merkwürdigkeit der Existenz".
"Horst interessiert sich nicht besonders für den Bereich des deutlich artikulierten Sinns, sondern eher für das Elementare der 'reinen Form', das eine nicht eindeutige und beunruhigende Aura entstehen lässt." - bemerkte Jaroslaw Kisielinski. - "Die eigentliche Hauptfigur der Inszenierung ist der im Titel erwähnte Koller – ein Prozess des wachsenden Massenwahns, der anfangs (gemäß den Konnotationen dieses Wortes) etwas Unernstes, fast Operetten- oder Revuehaftes hat, um in den Szenen aus 'Neue Befreiung' und im Finale die Dimension des realen Wahnsinns zu erreichen." ("Teatr" / "Das Theater" 1997, Nr. 4)Jarzynas Lehrer, Krystian Lupa, war der Meinung, dass in der Inszenierung:
"die dunkle Energie des neuen Primitivismus, der neuen Ursprünglichkeit, die im Menschen von heute eingeschlossen ist, offenbart wurde." ("Didaskalia" 1997, Nr. 18)1997 inszenierte Jarzyna (als Horst Leszczuk) im Krakauer Alten Theater / Stary Teatr IWONA KSIEZNICZKA BURGUNDA / YVONNE, DIE BURGUNDERPRINZESSIN von Witold Gombrowicz, eine Aufführung, die, ähnlich wie zuvor TROPPENRAPPEL, zum Inbegriff der szenischen Groteske wurde. Jarzyna
"manifestiert vor allem die Eigenheit der szenischen Wirklichkeit, die keine andere nachahmt und weder vom Realismus noch vom Lebenskitsch zehrt." - schrieb Piotr Gruszczynski. - "Sie hat ihr Geheimnis, das im gebrechlichen Kosmos der Bühne, wie ein Kern in einem Fruchtfleisch von unbestimmter Struktur, eingeschlossen ist. Und genau dieses Geheimnis, dieses Rätsel gibt dem szenischen Geschehen die Richtung vor. Ein zweites Charakteristikum des Theaters von Grzegorz Jarzyna besteht im Zurückgreifen auf Zeichen und Symbole der Massenkultur, ihrer Stereotype, Klischees und Schemen, die, konfrontiert mit dem Grauen des Unerkennbaren, ihr groteskes Antlitz zeigen." (in: Piotr Gruszczynski, "Ojcobojcy. Mlodsi zdolniejsi w teatrze polskim" / "Die Vätermörder. Die Jüngeren und Begabteren im polnischen Theater", Warszawa 2003)Jarzyna inszenierte auch HISTORIA / DIE GESCHICHTE, ein unvollendetes Drama von Witold Gombrowicz aus dem Jahre 1951, das er sehr scharfsinnig 1999 im Teatr Telewizji / Theater des Fernsehens interpretierte.
"In seinen Dialogen habe ich etwas sehr Wahres entdeckt," - sagt der Regisseur - "genauso wie in den Dialogen von Witkacy oder Gombrowicz, in denen man merkt, dass hier einer sich selbst beschreibt, dass er niemanden beeindrucken, sondern nur sich selbst bloßstellen will. Dass es hier nicht darum geht, eine Form zu schaffen, sondern das, was einem weh tut, aus sich herauszukotzen." (in: Piotr Gruszczynski, "Ojcobojcy. Mlodsi zdolniejsi w teatrze polskim" / "Die Vätermörder. Die Jüngeren und Begabteren im polnischen Theater", Warszawa 2003).Mit YVONNE, DER BURGUNDERPRINZESSIN sowie mit DER GESCHICHTE versuchte Jarzyna die Klassik im Geiste unserer Gegenwart zu interpretieren. Diese Richtung schlug er auch ein, als er MAGNETYZM SERCA / MAGNETISMUS DES HERZEN von Aleksander Fredro im Warschauer Teatr Rozmaitosci inszenierte (1999, Regie: Sylwia Torsh). Die Aufführung stellte mit leichter Ironie "die Natur der Liebe" bloß, die den jeweiligen Formen und Konventionen unterliegt und wurde somit zu einer Reise durch die Zeit: Der erste Akt spielte vor den Kulissen des 19. Jahrhunderts, in den letzten Szenen erzählte Jarzyna von unserer Gegenwart.
"Es ist eine beunruhigende und unangepasste Aufführung. Es gibt hier ein ordentliches Stück Kostümtheater, bei dem die Liebesproblematik, mit deutlich betonter erotischer Facette, durch den für die Entstehungszeit des Dramas typischen gereimten Dialog, durchschimmert. Trotz des Kostüms der einen oder der anderen Epoche ist das Zeitlose der Liebesbeziehungen erhalten geblieben. (...)" – schrieb Janusz R. Kowalczyk. - "Der Regisseur macht lediglich deutlich, wie sich die Art dieser Beziehungen verändert hat. Die Inszenierung von Grzegorz Jarzyna ist umso interessanter, als dass das getreue Abbild unserer Epoche nicht unbedingt die Akzeptanz für deren Sitten mit sich bringt. Die in dieser Aufführung entstehende Irritation hat jedoch ihre kathartische Wirkung." ("Rzeczpospolita", 16. März 1999).Jarzyna bereitete ebenfalls zwei szenische Prosa-Adaptationen vor. 1999 inszenierte er DOKTOR FAUSTUS von Thomas Mann in Breslauer Polnischen Theater / Teatr Polski we Wroclawiu, eine Aufführung, die in Zusammenarbeit mit dem Hebbel-Theater in Berlin speziell für das Berliner Festival "Theater der Welt" vorbereitet wurde (Adaptation und Regie: Das Gemüse). 2000 inszenierte er KSIAZE MYSZKIN / FÜRST MYSCHKIN (Teatr Rozmaitosci in Warschau, Adaptation und Regie: Mikolaj Warianow) anhand von Fjodor Dostojewskis DER IDIOT.
"Die Geschichte des Familienfestes, bei dem ein lange gehütetes Familiengeheimnis in all seiner Abscheulichkeit zum Vorschein kommt, wird zu einer düsteren und sehr wahren Analyse der menschlichen Psyche, in deren Abgründen sprungbereite Monster lauern." – schrieb Tomasz Moscicki über die Aufführung. ("Zycie", 8. Juni 2001)Jarzyna erzählte hier eine Geschichte über die Lüge und über das Bedürfnis, die Wahrheit, die eine reinigende Kraft besitzt, an den Tag zu bringen und betonte dabei die Bedeutung der Familienzeremonie.
"Ich glaube, 'Das Fest' ist dazu geeignet, einige wichtige Fragen zu berühren: die Heuchelei und das versteckte Unheil zu offenbaren und uns bewusst zu machen, wie zerrissen polnische Familien sind." – sagte der Regisseur. - "Das zweite, was mich an dem Text interessiert, ist das im Titel angesprochene Fest. Dieses Fest ist wie ein riesiges Uhrwerk... es ist ein Mechanismus, der nicht zum Stehen gebracht werden kann." ("Gazeta Wyborcza", 21.-22. April 2001).Die Aufführung 4.48 PSYCHOSIS anhand des letzten Stückes der britischen Dramatikerin Sarah Kane entstand als Koproduktion zwischen dem Warschauer Teatr Rozmaitosci und dem Posener Polnischen Theater / Teatr Polski w Poznaniu. Jarzyna inszenierte in einer beinahe asketischen Weise die erschütternde Geschichte einer jungen Frau, die unvermeidlich, bewusst und gezielt den Selbstmord anstrebt, und hob dabei die poetischen Qualitäten des Textes hervor.
"Es geht hier nicht um ein Interpretationsspiel mit einem literarischen Text, um schauspielerische Virtuosität, um Glitzern der Lichter oder um das Überschreiten von sittlichen Grenzen." - notierte Roman Pawlowski. - "Es geht um die Konfrontation mit einer menschlichen Tragödie, die ohne überflüssige Schnörkel gezeigt wird – eigentlich eins zu eins. Nach der Aufführung kommen die Schauspieler nicht wieder auf die Bühne, um sich zu verbeugen, denn wofür sollten sie den Applaus entgegennehmen? Für den Schmerz und das Leiden anderer?" ("Gazeta Wyborcza", 25. Februar 2002).Die bisher letzte Regiearbeit Jarzynas war RISKIER ALLES des zeitgenössischen kanadischen Dramatikers George F. Walker, die er 2003 im Rahmen des Programms "TEREN WARSZAWA" / "TERRAIN WARSCHAU" inszenierte, das vom TR Warszawa (Teatr Rozmaitosci) umgesetzt wurde. Jarzyna verlässt hier das Theater und erschließt einen neuen, außertheatralischen Raum. Die Inszenierung, die am Warschauer Zentralbahnhof spielt, zeichnet sich durch eine karge Poetik aus, die der Regisseur "das Real" nennt.
Monika Mokrzycka-Pokora Februar 2004 |
