Geb.1936, Prosaschriftsteller, Dichter, Dramatiker und Essayist, Gewinner vieler anerkannter Literaturpreise, Autor von mehr als zwanzig Büchern, in denen er sich die Aufgabe gestellt hat, Chronist des Schicksals polnischer Juden zu sein.
Henryk Grynberg und seine Mutter waren die einzigen Mitglieder der vielköpfigen Familie, die den Krieg überlebt hatten. Die Jahre 1942-44 überlebte er in verschiedenen Verstecken mit sogenannten "arischen Papieren". Nach dem Krieg lebte er in Lodz und Warschau. 1967 unternahm er als Schauspieler der Warschauer Jüdischen Theaters eine Tournee in die USA, wo er blieb, und wo er bis heute lebt.
1959 debütierte er mit einer Erzählung, die er später in sein erstes Buch
Ekipa "Antygona" / Die Truppe "Antigone", (1963) aufnahm. Sowohl in diesen als auch in den folgenden Büchern, die noch in Polen, allerdings nicht ohne üble Eingriffe der Zensur, erschienen waren, als auch in den in der Emigration erschienenen Werken, erzählt er die Geschichten von Menschen, die umgekommen sind oder gerettet wurden, um später in Lodz, in Warschau oder in New York zu leben, wo sie mit ihrer Erinnerung - bzw. mit dem Vergessen der anderen fertig werden mussten. "Wie kann man leben, wenn alles, was den Menschen am Leben gehalten hat, gestorben ist?" fragen die Protagonisten seiner Prosa. Auch seine Gedichte behandeln in erster Linie dieses Thema. Sie sind das große Lamento eines Menschen, der das Gedenken an die Ermordeten kultiviert, der zum "Grabhüter" wird - und das in einer Welt, die von Nihilismus, Materialismus und immer größerer Gleichgültigkeit gegenüber den Schicksalen der Opfer geprägt ist. Grynberg zieht für sein Schreiben autobiographisches und biographisches Material heran: Seine Protagonisten sind meistens jüdischer Abstammung, sie sind die Erzähler. Das Erlebte hat die Dimension einer Metapher, und es wird durch die Erlebnisse anderer "Geretteter" vervollständigt.
In seinen Büchern, die in einer knappen, protokollarischen Sprache verfasst sind, nicht selten mit einer gehörigen Portion Sarkasmus aber auch lyrischer Elemente vermischt, werden menschliche Schicksale beschrieben, die der Autor auf diese Art vor dem Vergessen bewahr. Hier verleiht er seiner Überzeugung Ausdruck, dass dieses Vorgehen nicht nur in der Literatur den Opfern des Holocaust gegenüber geboten ist, sondern dass es auch die Bestätigung davon ist, dass die menschliche Existenz heilig ist.
"Als ich jung war, war ich eher geneigt, Geschichten zu erfinden (...), ich wollte vor allem ein Romanautor sein. Jetzt möchte ich immer mehr Chronist sein." (Henryk Grynberg)
Bibliographie:
Prosa:
- Ekipa "Antygona" / Die Truppe "Antigone" (Erzählungen), Warschau: PIW, 1963
- Zydowska wojna / Der jüdische Krieg (Roman), Warschau: Czytelnik 1965
- Zwyciestwo / Der Sieg, (Roman), Paris: Instytut Literacki, 1969
- Zycie ideologiczne / Ideologisches Leben (Roman), London: Polonia Book Fund, 1975
- Zycie osobiste / Das persönliche Leben (Roman), London: Polonia Book Fund, 1979
- Zycie codzienne i artystyczne / Alltägliches und künstlerisches Leben (Roman), Paris: Instytut Literacki,1980
- Prawda nieartystyczna / Die nicht künstlerische Wahrheit (Essays), Berlin: Wydawnictwo Archipelag, 1984
- Wiersze wybrane z lat 1964-83 / Ausgewählte Gedichte aus den Jahren 1964-83, Warschau: Rekontra, 1985
- Kronika / Die Chronik (Drama), Berlin, 1984
- Kadisz / Kalifornisches Kaddisch(Roman), Krakau: Znak, 1987
- Szkice rodzinne / Familienskizzen, (Erzählungen), Warschau: Czytelnik, 1990
- Dziedzictwo / Das Erbe, (Prosa), London: Aneks, 1993
- Dzieci Syjonu / Kinder Zions (Prosa), Warschau: Karta, 1994
- Drohobycz, Drohobycz (Erzählungen), Warschau: W.A.B., 1997
- Zycie ideologiczne, osobiste, codzienne i artystyczne / Ideologisches, persönliches, tägliches und künstlerisches Leben Warschau: Swiat Ksiazki, 1998
- Ojczyzna(dz_grynberg_ojczyzna (Erzählungen), Warschau: W.A.B., 1999
- Memorbuch (Roman), Warschau: W.A.B., 2000
Gedichte:
- Swieto kamieni / Das Fest des Steins, (Gedichte), Warschau: PAX, 1964
- Antynostalgia / Antinostalgie, (Gedichte), London: Oficyna Poetow i Malarzy, 1971
- Wiersze z Ameryki / Gedichte aus Amerika, London: Oficyna Poetow i Malarzy, 1980
- Po zmartwychwstaniu / Nach der Auferstehung (Gedichte), London: Sowula, 1982
- Wsrod nieobecnych / Unter Nichtanwesenden (Gedichte), London: OpiM, 1983
- Pomnik nad Potomakiem / Das Denkmal über Potomak (Gedichte), London: OpiM, 1989
- Wrocilem. Wiersze z lat 1964-1989 / Ich kam zurück. Gedichte aus den Jahren 1964-1989, Warschau: PIW, 1991
- Rysuje w pamieci / Ich zeichne in der Erinnerung (Gedichte), Poznan: a5, 1995
Übersetzungen:
- englisch: Child of the Shadows / Der jüdische Krieg, London: Vallentine, Mitchell, 1969; The Victory / Der Sieg, Evanston: Northwestern University Press, 1993; Children of Zion / Kinder Zions, Evanston: Northwestern University Press, 1997
- tschechisch: Židovska valka. Vitezstvi / Der jüdische Krieg. Der Sieg, Prag: Aurora, 1996
- hebräisch: Hamilhama Hayehudit / Der jüdische Krieg, Tel Aviv: Sifriath Poalim, 1968; Yaldey Tsiyon Kinder Zions, Jerusalem: Yad Vashem, 1995
- niederländisch: De Joodse Oorlog / Der jüdische Krieg, Utrecht: Bruna & Zoon, 1968
- deutsch: Der jüdische Krieg / Zydowska wojna, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1972; Kinder Zions / Dzieci Syjonu, Leipzig: Reclam, 1995; Kalifornisches Kaddisch / Kadisz, Frankfurt a.M.: Neue Kritik, 1993; Drohobycz, Drohobycz / Drohobycz, Drohobycz, Zsolnay, Wien, 1999
- französisch: California Kaddish / Kalifornisches Kaddisch, Paris: Edition Balland, 1991; La Guerre des juifs / Der jüdische Krieg, und Der Sieg,Paris, Edition Balland, 1994
- italienisch: La guerra degli ebrei / Der jüdische Krieg, Rom: Edizioni E/O, 1992; Ritratti di famiglia / Familienskizzen, Florenz: Giuntina, 1994
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