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Anthologie der polnischen Dichtung



02.09.2010

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Biographien
Musik
HENRYK MIKOŁAJ GÓRECKI
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Komponist, geboren am 6. Dezember 1933 in Czernica bei Rybnik.

Gorecki begann sein Musikstudium im Jahr 1952 an der Musikschule in Rybnik im Rahmen einer Ausbildung zum Lehrer und Erzieher. Von 1955 bis 1960 studierte er Komposition an der Staatlichen Musikhochschule (der heutigen Musikakademie) in Kattowitz in der Klasse von Boleslaw Szabelski. Am 27. Februar 1958 fand ein Konzert mit Werken Goreckis statt, bei dem zum ersten Mal in der Geschichte der Hochschule nur Werke eines einzigen Studenten gespielt wurden; an diesem Abend kamen fünf seiner Werke zur Uraufführung, darunter die erste Fassung des LIEDES VON FREUDE UND RHYTHMUS OP. 7 für zwei Klaviere und Kammerorchester (1956) und das KONZERT FÜR FÜNF INSTRUMENTE UND STREICHQUARTETT OP. 11 (1957).

Im selben Jahr debütierte Gorecki auf dem 2. WARSCHAUER HERBSTFESTIVAL mit seinem EPITAPH OP. 12 für Chor und Instrumente (1958) und galt schon bald als einer der radikalsten Komponisten der polnischen Avantgarde. 1960 beendete Gorecki sein Studium mit Auszeichnung. Im selben Jahr erhielt er für seine MONOLOGHI OP. 16 für Sopran und drei Instrumentalgruppen (1960) den ersten Preis des WETTBEWERBS JUNGER POLNISCHER KOMPONISTEN DES KOMPONISTENVERBANDES. Am 21. September 1960 wurden auf dem 4. WARSCHAUER HERBSTFESTIVAL seine SCONTRI OP. 17 für Orchester (1960) aufgeführt und lösten einen Aufruhr im Publikum aus. 1961 war Gorecki in Paris tätig, wo er für seine 1. SINFONIE "1959" OP. 14 (1959) den 1. Preis der Pariser Biennale erhielt. In Paris lernt er Pierre Boulez und in Köln Karlheinz Stockhausen kennen.

Ab 1965 war Gorecki an der Kattowitzer Musikhochschule beschäftigt, 1968 erhielt er einen Lehrauftrag und 1972 eine Dozentenstelle; er lehrte Partiturlesen, Instrumentation und Komposition. Von 1973 bis 1974 lebte er dank der finanziellen Unterstützung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in Berlin. 1975 wurde er zum Rektor der Kattowitzer Musikhochschule ernannt, 1979 trat er von diesem Amt zurück. 1977 wurde ihm der Titel eines außerordentlichen Professors verliehen. Unter seinen Studenten waren Eugeniusz Knapik, Andrzej Krzanowski und Rafal Augustyn.

Gorecki erhielt zahlreiche Auszeichnungen: 1967 erhielt er für seinen REFRAIN OP. 21 für Orchester (1965) den dritten Preis der Tribune Internationale des Compositeurs in Paris; 1968 erhielt er für seine KANTATE OP. 26 für Orgel (1968) den ersten Preis des STETTINER KOMPONISTENWETTBEWERBS; 1973 gewann AD MATREM OP. 29 für Sopran, gemischten Chor und Orchester (1971) den ersten Preis der Tribune Internationale des Compositeurs. Darüber hinaus erhielt Gorecki: den Musikpreis der Kattowitzer Wojewodschaft (1958 i 1975), den Preis des polnischen Kultusministeriums (1965 dritten Grades sowie 1969 und 1973 ersten Grades), den Preis des Polnischen Komponistenverbandes (1970), den Preis des Komitees für Radio und Fernsehen (1974), den Polnischen Staatspreis ersten Grades (1976) und den Preis des polnischen Außenministeriums (1992). 1994 verlieh ihm die Warschauer Universität den Ehrendoktortitel.

Gorecki ist mit der Pianistin Jadwiga Ruranska verheiratet, die beiden haben zwei Kinder: seine Tochter Anna ist Pianistin und sein Sohn Mikolaj Komponist.

Henryk Mikolaj Gorecki begann seine Komponistenkarriere als radikaler Avantgardist. Sein Werk SCONTRI, das 1960 auf dem WARSCHAUER HERBSTFESTIVAL uraufgeführt wurde, schockierte das Publikum mit der Neuartigkeit seines Klangs und wurde zu einem Symbol der polnischen musikalischen Avantgarde. 1976 provozierte Gorecki das Publikum ein weiteres Mal: mit seiner 3. SINFONIE "SINFONIE DER KLAGELIEDER", die ebenfalls auf dem WARSCHAUER HERBSTFESTIVAL aufgeführt wurde, nahm er eine radikal entgegengesetzte Position ein, er vereinfachte seine Klangsprache und reduzierte seine Ausdrucksmittel. Manche bezeichneten ihn als Genie, andere sahen in ihm nichts weiter als einen Dilettanten. Gorecki wäre jedoch lediglich als einer von vielen zur Tradition "bekehrten" Avantgardisten in Erinnerung geblieben, wären da nicht die außergewöhnlichen Ereignisse 16 Jahre später gewesen. Im Jahr 1992 landete die 3. SINFONIE auf dem ersten Platz der amerikanischen und britischen Charts und die ganze Welt sprach über Gorecki. Verantwortlich dafür war eine Platte der amerikanischen Firma Elektra Nonesuch mit einer Aufnahme der SINFONIE gesungen von der amerikanischen Vokalistin Dawn Upshaw und gespielt vom Ensemble der London Sinfonietta unter der Leitung des wenig bekannten Dirigenten David Zinman. Der englische Radiosender "Classic FM" spielte auf Wunsch der Zuschauer rund um die Uhr Fragmente des Werks. Die 3. SINFONIE wurde gleichermaßen von Musikbegeisterten wie auch von Menschen, die vorher nie etwas mit ernster Musik zu tun hatten, gehört. Goreckis einfache und doch leidenschaftliche Musik erreichte sie alle und zeigte ihnen eine Welt der elementarsten Empfindungen.

Polnisches Informationszentrum für Musik
Polnischer Komponistenverband
November 2001, März 2004
 

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