Viele Leitfäden, viele Dimensionen
Die Bezeichnung "Polnische Komponistenschule" wurde Anfang der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts, vor allem durch die deutsche Musikkritik popularisiert. Der Terminus ist entstanden, um einen spezifischen Stil der polnischen Musik zu benennen, in welcher die Klangfarbe eine Grundlage der Gestaltung des Musikwerks bildet. Die Geburt der "Polnischen Komponistenschule" wurde möglich dank des politischen Tauwetters nach dem Tode Stalins möglich, das in Polen im Jahre 1956 zu einem politischen Umbruch geführt hat. Damals wurden - wie der Personenkult im Bereich des politischen Lebens - die Dogmen des sozialistischen Realismus im Bereich der Kultur abgelehnt. Eine nicht geringfügige Bedeutung für die Entstehung der "Polnischen Komponistenschule" hatte auch die Einrichtung des
internationalen Festivals zeitgenössischer Musik "Warschauer Herbst" im Oktober 1956.
Die Estrade des
"Warschauer Herbst" wurde zum Ort der polnischen Erstaufführungen von Werken, die zum Kanon der Gegenwart gehören (angeführt durch
Frühlingsfeier von Igor Strawinsky). Sie wurde ebenfalls zu einer Manifestation neuer ästhetischer Tendenzen in der polnischen Musik. Sie betrafen anfangs vor allem die Anwendungen der Zwölftontechnik, später die Anwendung einer Technik, die in Polen Sonortechnik genannt wurde und auf den Vorrang der Klangfarbe über alle anderen Parameter der Komposition gestützt war.
Diese Ästhetik wird in der polnischen Musik vor allem durch
Witold Lutoslawski (1913-94) sowie
Krzysztof Penderecki (geb. 1933) und
Henryk Mikolaj Gorecki (geb. 1933), außerdem von Kazimierz Serocki (1922-1981) und Tadeusz Baird (1928-1981),
Wojciech Kilar (geb. 1932), Witold Szalonek (1927-2001), Boguslaw Schaeffer (geb. 1929) und Wlodzimierz Kotonski (geb. 1925) vertreten.
Lutoslawski
Die Musik von
Witold Lutoslawski gehört zu den herausragenden Errungenschaften des gesamten Jahrhunderts, obwohl ihr grundsätzlicher und wesentlicher Teil in dessen zweiter Hälfte, zwischen 1958 (
Muzyka zalobna / Trauermusik) und 1992 (
IV Symfonia / IV. Sinfonie) entstanden ist. In Partituren aus dieser Zeit hat der Komponist seine sehr charakteristische Kompositionssprache und eine individuelle Gestalt der musikalischen Schönheit geschaffen, was dazu beigetragen hat, daß er bereits zu Lebzeiten als ein "Klassiker der Gegenwart" betrachtet wurde.
Auf dem Gebiet der
Trauermusik hat er Grundlagen einer Zwölftonharmonik geschaffen, die in technischer und ästhetischer Hinsicht von Errungenschaften der Wiener Schule von Arnold Schönberg weit entfernt war. In
Jeux vénitiens (1961) initiierte er eine beschränkte Anwendung des Elements des Zufalls, das "aleatorischer Kontrapunkt" genannt wurde. In
Kwartet smyczkowy / Streichquartett, 1964) hat er die Idee der zweiteiligen Form eingeführt, wobei der erste Teil einen Einleitungscharakter hat, während der zweite Teil die wichtigsten Expressionsaufgaben auf sich nimmt. In den 80er Jahren hat der Komponist sein Prinzip der "Kettentechnik" vervollständigt, die auf der Verkettung des Klangmaterials zwischen Teilen oder Schichten des Werkes beruht.
Beim Betrachten des Gesamtwerkes von Lutoslawski wird ersichtlich, wie konsequent und intensiv es zu einem integralen Ganzen gewachsen ist. Seit der
Trauermusik baute er seine eigene, originelle Welt auf, eigen und originell,jedoch weder hermetisch noch abgeschieden. Lutoslawski hat jenen wundersamen Punkt der Verwandlung von Tradition in Zukunft gefunden, eine Grenze zwischen Akzeptanz der Tradition, über die hinausgegangen wird, und Reserviertheit gegenüber neuen Gebieten, die entdeckt werden. Äußerst innovativ und entdeckungsfreudig, ist er jedoch nie radikal und avantgardistisch geworden. Als seine Vorbilder nannte er Haydn und Mozart,
Chopin und die Lieder von Brahms, er war jedoch alles andere als traditionalistisch.
Zu den wichtigsten Werken von Lutoslawski gehören vier
Sinfonien (1947, 1967, 1983 -
III. Sinfonie, 1992 -
IV. Sinfonie); Orchesterwerke:
Koncert na orkiestre / Konzert für Orchester (1954),
Muzyka zalobna / Trauermusik (1958),
Jeux vénitiens (1961),
Livre pour orchestre (1968),
Mi-parti (1976),
Novelette (1979),
Lancuch 3 / Kette 3 (1986),
Interludium (1989); Instrumentalkonzerte:
Wiolonczelowy / Für Cello (1970),
Koncert podwójny / Doppelkonzert für Oboe, Harfe und Kammerorchester (1980),
Partita für Violine und Orchester (1988 - die Orchesterversion des Werkes für Violine und Klavier von 1984),
Lancuch 2 / Kette 2 - Dialog für Violine und Orchester (1985),
Koncert Fortepianowy / Klavierkonzert (1988); Vokal- und Orchesterwerke:
Trois poèmes d'Henri Michaux für Chor und Orchester (1963),
Paroles tissées für Tenor und Kammerorchester,
Les espaces du sommeil für Bariton und Orchester (1975),
Chantefleurs et Chantefables für Sopran und Orchester (1990); Kammerkonzerte:
Kwartet smyczkowy / Streichquartett (1964),
Preludia i fuga / Praeludien und Fuge für 13 Solostreicher (1972),
Lancuch 1 / Kette 1 für Kammerensemble (1983); Solokonzerte:
Wariacje na temat Paganiniego / Variationen über ein Thema von Paganini für 2 Klaviere (1941),
Wariacja Sacherowska / Sacher Variationen für Cello solo (1975),
Epitafium / Epitaph für Oboe und Klavier (1979),
Grave - Metamorfozy / Grave - Metamorphosen für Cello und Klavier (1981),
Partita für Violine und Klavier (1984),
Subito für Violine und Klavier (1992).
Penderecki
Die Musik von
Krzysztof Penderecki ist an der Wende der 50er zu den 60er Jahren bekannt geworden. Die klangliche Erfindungsgabe des Komponisten hatte sich zunächst auf neuartige Methoden der Klangerzeugung durch Streichinstrumente konzentriert, z. B. auf das Spiel hinter dem Steg, das Klopfen mit der Bogenstange gegen den Resonanzkasten des Instruments, also auf die Verwendung von Streichinstrumenten als Schlaginstrumente. Gleichzeitig hatte Krzysztof Penderecki eine an technischen Verfahrensweisen reiche Methode der Anwendung der sog. Cluster, d. h. der durch benachbarte Töne gebildeten Klangflächen entwickelt. Auf diese Weise hatte Penderecki sein sehr individuelles und erkennbares Klangidiom geschaffen, gestützt auf den Perkussionsklang der Nicht-Perkussionsinstrumente sowie auf die Expression der ansteigenden, sich innerlich verlagernden, im akustischen Raum wandernden Klangebenen.
Zu einem Wendepunkt in der Entwicklung der Komponistenkarriere und in der Ästhetik der Musik von Krzysztof Penderecki wurde die im Auftrag des WDR in Köln komponierte
Pasja wedlug swietego Lukasza / Lukaspassion, 1966). In Pendereckis Schaffen eröffnet sie eine Serie großer Oratorien- und Kantatewerke von religiösem Charakter sinfonischer Monumente, die zunehmend stärker auf die spätromantische Ästhetik zurückgreifen. In den 90er Jahren steht Pendereckis Musik ziemlich deutlich in Einklang mit der postmodernen Ästhetik.
Indem er zu universellen Themen, zu den für die europäische Kultur fundamentalen Texten griff, lehnte Penderecki die Haltung eines Avantgarde-Künstlers ab, der mit einer neuen Tonsprache experimentiert. Es verfestigte sich die Überzeugung, dass Krzysztof Penderecki eine Synthese der bisherigen Errungenschaften in der Musik des 20. Jahrhunderts geschaffen hat, und zwar in einer für die Geschichte der europäischen Musik vom mittelalterlichen Choral bis zur Avantgarde sowie für die Welt der europäischen Kultur von West und Ost weit geöffneten Perspektive. Zur Methode von Krzysztof Penderecki wurde es, die Tradition neu zu interpretieren. Es ist also ein Weg der verschiedenartigen Wiederkehr, der in einem ständigen Bewusstsein des Heutigen begangen wird.
Zu den wichtigsten Werken von Krzysztof Penderecki gehören:
Tren - ofiarom Hiroszimy / Threnos. Den Opfern von Hiroshima (1960);
I Kwartet smyczkowy / Streichquartett Nr. 1 (1960);
Anaklasis für Streichinstrumente und Schlagzeuggruppen (1960); das Oratorium
Dies irae zum Gedächtnis der Ermordeten in Auschwitz (1967);
Kosmogonia (1970); religiöse Werke:
Pasja wedlug swietego Lukasza / Lukaspassion (1965);
Jutrznia (Utrenja) (1970);
Magnificat (1974);
Te Deum (1980);
Polskie Requiem / Polnisches Requiem (1984); Opern:
Diably z Loudun / Die Teufel von Loudun (1969);
Raj utracony / Paradise Lost (1978);
Czarna maska / Die schwarze Maske (1986);
Ubu Rex (1991); Orchesterwerke, u.a.:
II Christmas Symphony (1980;
Passacaglia (1988);
Adagio (1989); Konzerte u.a.
für Cello,
für Violine,
für Viola; Kammerstücke, u.a.:
Trio smyczkowe / Streichtrio (1991).
Gorecki
Ein Altersgenosse von Krzysztof Penderecki und seit den 60er Jahren eine der Hauptfiguren der polnischen Komponistenszene,
Henryk Mikolaj Gorecki, verdankt seine Weltkarriere dem kommerziellen Erfolg der
III Symfonia - Symfonia Piesni zalosnych / III. Sinfonie - Sinfonie der Klagelieder, 1976) am Anfang der 90er Jahre.
Eine besondere Periode im Schaffen von Gorecki wird durch die zwischen 1971 (
Ad Matrem) und 1980 (
Koncert klawesynowy / Cembalokonzert) entstandenen Werke bestimmt. Es sind damals lediglich fünf (außer den zwei genannten) wichtige Kompositionen entstanden:
II Symfonia (Kopernikowska) / II. (Kopernikus-) Sinfonie für Sopran, Bariton, Chor und Orchester (1972); die berühmte
III Symfonia - Piesni zalosne / III. Sinfonie - Klagelieder für Sopran und Orchester; die Psalmodie
Beatus Vir (1979) für Bariton, Chor und Orchester; die Werke für Chor
Euntes ibant et flebant (1973) und
Amen (1974).
Am Anfang der 90er Jahre wurde die
III. Sinfonie von Gorecki, dank der kommerziellen britischen Hörfunksender, die eine neue Aufnahme von ihr mit Dawn Upshaw, unter der Leitung von David Zinman in Folgen sendeten, zu einem der bekanntesten und auf CDs am häufigsten gekauften Werke der zeitgenössischen Musik. Der
Sinfonie folgend, sind auch das
Cembalokonzert sowie die ersten beiden Streichquartette -
Juz sie zmierzcha / Es wird schon Abend und
Quasi una fantasia zu spezifischen Schlagern des phonographischen Marktes geworden.
Auf das Schaffen von Henryk Mikolaj Gorecki reagierte die ästhetische Mode der musikalischen Postmoderne. Die Hörer im Westen gewöhnten sich an die amerikanische repetitive Musik in der Gestalt, die ihr Steve Reich und Philipp Glass verliehen hatten, sowie an ihre britische Variante von Michael Nyman. Die asketische, beharrlich repetitive Strategie der Musik von Gorecki hat sich im Bewusstsein der Zuhörerschaft mit den inzwischen erworbenen ästhetischen Gewohnheiten summiert und sie somit für eine wundersame, andere Perspektive der Werke des polnischen Komponisten geöffnet. Diese Perspektive wurde durch die religiöse Aussage der Musik von Gorecki geschaffen, die sich mit der Expression der Musik von Arvo Pärt, der seine Form des neuen Mittelalters schuf, sowie der Musik von John Tavener, der seine Vorstellung des neuen Byzanz baute und außerdem mit den quasi-religiösen Erfahrungen der New-Age-Strömung summierte. Das Volkstümliche der Musik von Gorecki ging mit der Mode für die "Weltmusik" - für das Interesse am Exotischen der Volkstraditionen ungeachtet deren Herkunft - einher. Gorecki traf auf eine Mode, die weit über die durch Festivals der zeitgenössischen Musik festgesetzten Grenzen hinausging.
Das Vorurteil der "polnischen Komponistenschule"
Trotz der äußeren Symptome - eines gleichzeitigen Stilwechsels bei einer bedeutenden Gruppe polnischer Komponisten und spektakulärer Debüts sehr innovativ denkender und nach neuen Qualitäten in der Musik suchender Künstler - ist das Phänomen der "Polnischen Komponistenschule" eher im metaphorischen als im wörtlichen Sinne zu betrachten. Künstler, die dieser Schule zugerechnet werden, haben vieles gemeinsam (hauptsächlich den Vorrang der Klangfarbe über andere Komponenten), ihre einzelnen Vorschläge bezüglich detaillierter ästhetischer und technischer Lösungen sind jedoch unterschiedlich.
Die Originalität der Musik von Kazimierz Serocki ergibt sich nicht nur aus ihrer raffinierten Klangwahl, die oft eine Folge der Anwendung ungewöhnlicher Instrumentalbesetzungen und Methoden der Klangerzeugung, aber auch der Anwendung der Topophonik, also einer räumlichen Verteilung der Instrumentalgruppen auf der Estrade, ist.
Tadeusz Baird zeichnet sich in der polnischen Musik der 60er und 70er Jahre durch eine besondere Art der Expression aus, die sich aus der von ihm angewandten Zwölftontechnik ergibt. Er wurde als der hervorragendste Liederkomponist und Romantiker dieser Periode bezeichnet; er bekannte sich zu Bindungen an die Musik von Alban Berg sowie zu einer ästhetischen Nähe zum Spätwerk von Dmitrij Schostakowitsch.
Wlodzimierz Kotonski blieb der elektroakustischen Musik von der ersten Komposition treu -
Etiuda na jedno uderzenie w talerz / Etüde für einen Beckenschlag, 1959); auf die Liste prominenter Errungenschaften dieses Genres setzte er Werke wie
Alea (1970),
Skrzydla / Die Flügel, 1973),
Antiphonae (1989), mit der Zeit griff er auch zu Möglichkeiten des Computerstudios. Die elektroakustische Musik hat jedoch das Schaffen ihres Wegbereiters in Polen nicht dominiert. Die 70er Jahre bringen auch bei Kotonski einen Paradigmawechsel mit sich - eine Wende zum "romantisierenden" Ton und zu eigenartiger Euphonie.
Einen eigenen Platz in der Landschaft der polnischen Musik nimmt Boguslaw Schaeffer ein, der in Polen eine ganze Reihe von innovativen Techniken, nicht nur im Bereich des Sonorismus und Serialismus, sondern auch der Topophonik, der Aleatorik, der grafischen Musik, des Happenings, der Collage, des Instrumentaltheaters, der offenen Form, des Konzeptualismus und des auf die Einflüsse des Jazz zurückgreifenden Schaffens initiiert hat. Der Theoretiker und Kritiker, der auch auf dem Gebiet der Malerei und Grafik tätig war, begann in den 70er Jahren die Karriere eines modischen und anerkannten Dramatikers und konzentrierte sich in seinen zu einem großen Teil surrealistischen Stücken auf Themen, die den Sinn der Kunst und die geistige Kondition des Künstlers betreffen.
Die von Witold Szalonek komponierten
Les Sons (1965) für Sinfonieorchester können als eine Art sonoristisches Manifest gelten, dem der Komponist weitgehend bis heute treu bleibt. In Szaloneks Werken dominiert eine gut ausgebaute Bläsergruppe, die zum Hauptelement der Partitur wird. Zum Sortiment der Klangerscheinungen gehört ebenfalls das Schlagen auf die Klappen der Instrumente, das Sprechen durch das Instrument, die Benutzung der Mundstücke allein, das Blasen in Flaschen. Dieses organisierte "Durcheinander" der Töne klingt heute, lange nachdem es überraschte und verblüffte, immer noch anregend. Zu den wichtigsten Werken von Szalonek gehören
Mutazioni für Kammerorchester (1966),
Quattro monologhi per oboe solo (1966),
Improvisations sonoristiques für Klarinette, Posaune, Cello und Klavier (1968),
1+1+1+1 per 1-4 strumenti ad arco (1969),
Musica concertante per violbasso ed orchestra (1977),
Little B-A-C-H Symphony (1981),
Meduzy sen o pegazie / Der Meduse Traum über Pegasus, 1997.
Sehr glänzend fing auch die Komponistenkarriere von
Wojciech Kilar an, dessen frühe Partituren mit einer Eruption der Energie, mit Feuerwerken der Vitalität, mit der elementaren Gewalt der Klänge, z. B. im orchestralen, auf dem Jazzpuls basierenden
Riff 62 anregend wirkten. Das konstruktivistische Werk für Orchester und Sopranchor
Upstairs-Downstairs (1971) ist der Ziel- und Höhepunkt im Rahmen dieser Ästhetik. 1974 erfolgte eine große Wende im Schaffen von Wojciech Kilar; damals entstand
Krzesany (1974) für Orchester,
Bogurodzica / Mutter Gottes, 1975) für Chor und Orchester, das sinfonische Poem
Koscielec 1909 (1976),
Exodus (1981) für Chor und Orchester sowie
Koncert fortepianowy / Klavierkonzert (1997).
Bargielski
Die Musik von Zbigniew Bargielski (geb. 1937) ist ein Phänomen an sich; wenngleich sehr bildlich, ist sie jedoch prinzipiell keine bildlich darstellende Musik. Es fällt an ihr eher der grafische als der malerische Farbenreichtum auf. In der klanglichen Gestalt der Musik von Bargielski möchte man ihre sonoristische Herkunft wiedererkennen, aber, obwohl sonoristische Tricks dem Autor von
Trigonalia (1994) für Gitarre, Akkordeon, Schlagzeug und Orchester nicht fremd sind, ist es eine Illusion. Mehr als um die kaleidoskopisch wechselnden Farbenmixturen geht es um die koloristische Temperatur von ausgewählten Instrumenten, die in den Mittelpunkt der Klangpalette gestellt werden. Bevorzugt werden insbesondere: Gitarre, Akkordeon, Schlagzeug, Saxophon und Geige. Zbigniew Bargielski erläuterte mehrmals in seinen Äußerungen, worauf seine Kompositionsmethode, die sog. "Zentrentechnik", beruht. So gibt es bestimmte Zentren - z. B. Ton- oder Intervallzentren, bzw. rhythmische und Farbenzentren - die auf einem Abschnitt der Form Schwerpunkte, Pole bilden, um welche die Materie gravitiert, bilden. Es gibt auch eine - nach der Bezeichnung des Komponisten - "bausteinartige" Entwicklung der Form: ein bestimmter Abschnitt der musikalischen Zeit wird so gezeigt, dass er nur mit einem Element ausgefüllt ist. Der Abschnitt erscheint wieder, er offenbart jedoch bereits zwei Elemente. Dann drei. Die gleichen, ähnlichen, modifizierten: Wenn eine Variationstechnik angewandt wird, dann ist sie als sehr eigenartig und umgekehrt zu verstehen. Die Form wächst also quasi stockwerkartig, schichtweise, immer mehr entwickelt, angereichert, verdichtet. Es ist ein äußerst anregendes, "geschicktes" und in ästhetischer Hinsicht ebenso wirksames wie reizendes Kompositionskonzept.
Eine besondere Aufmerksamkeit im Werkverzeichnis dieses Komponisten verdienen Opern, Solo- und Kammerwerke mit Teilnahme des Akkordeons sowie
Koncert na perkusje i orkiestre / Konzert für Schlagzeug und Orchester (1975), Streichquartette (
Alpejski / Alpen- 1976,
Wiosenny / Frühlings- 1980);
Martwa natura z krzykiem / Stilleben mit Schrei (1986),
Jeszcze noc, jeszcze dzwiek / Noch eine Nacht, noch ein Ton (1980) für Mezzosopran und Orchester,
Sonnenlieder für Mezzosopran, Bariton, Baß, Chor und Kammerensemble (1983), das Oratorium
Ziemia niczyja / Niemandsland (1989),
Requiem für Orchester (1992),
Slapstick für Kammerorchester (1998).
Exil
Zygmunt Mycielski (1907-87), Stefan Kisielewski (1911-91), Roman Palester (1907-89),
Andrzej Panufnik (1914-91) sind Komponisten, die in der Geschichte der polnischen Nachkriegsmusik für das Vorurteil der sog. "unbequemen Präsenz" in Rezeption stehen. Diese "unbequeme Präsenz" der Musik von Mycielski und Kisielewski war bedingt durch ihre öffentliche Aktivität im politischen Bereich bedingt, die ihre Werke oft - kraft der Entscheidungen der kommunistischen Obrigkeit - zur Abwesenheit im Musikleben, und sie selbst zu einer Art "innerer Emigration" verurteilte.
In der Musik von Andrzej Panufnik ist auf Inspirationen durch die polnische Volks- und alte Musik, auf die dem Katholizismus entstammenden religiösen Motive sowie auf den Konstruktivismus der Tonsprache hinzuweisen. Jener Konstruktivismus äußert sich im Aufbau des Werkes aus einfachen Intervallmustern, in der Gestaltung der musikalischen Form nach dem Vorbild von geometrischen Systemen, was den Komponisten jedoch nicht daran gehindert hat, eine sehr emotionale, im Ausdruck manchmal romantische Expression herauszubilden. Andrzej Panufnik ist Autor von u.a. zehn Sinfonien (
Sinfonia rustica, 1948;
Sinfonia elegiaca, 1957;
Sinfonia sacra, 1963;
Sinfonia concertante, 1973;
Sinfonia di sfere, 1975;
Sinfonia mistica, 1977;
Metasinfonia, 1978;
Sinfonia votiva, 1981;
Sinfonia di speranza, 1987;
X Symfonia 1988), zahlreichen kleineren sinfonischen Werken, drei Streichquartetten (1976, 1980, 1990), Konzerten: für Klavier (1962), für Violine (1971), für Fagott (1985) und für Cello (1991).
Polnische Minimalisten: Tomasz Sikorski und Zygmunt Krauze
Tomasz Sikorski (1939-88) hat unabhängig von amerikanischen Vorbildern die Strömung der Minimal Music in Europa initiiert. Seine Musik entstammt akustischen Nuancen, dem Ausklingen, den Echo-Erscheinungen. Sie ist sehr oft eine Musik des Flüsterns. Sikorski war der erste, der in die Strömung der polnischen Musik die Kategorie der kontemplativen Musik einführte, deren wichtigster Vertreter in den USA Morton Feldman wurde.
Die Musik von Zygmunt Krauze (geb. 1938) wird meistens der Strömung der Minimal Music zugeordnet; der Komponist gilt als einer der Vorreiter dieses Stils in Europa. Eine sehr wichtige Inspiration für den Komponisten wurde die Malerei und die Theorie des polnischen Avantgarde-Malers Wladyslaw Strzeminski (1893-1952), von dem er den Terminus für die Bezeichnung seiner Ästhetik übernahm - Unismus. Die unistischen Kompositionen von Zygmunt Krauze sind ein grundsätzlich einheitlicher Raum, ohne dramatische Konflikte und wesentliche Kontraste. Dies bedeutet allerdings nicht, daß da "nichts passiert" - im Gegenteil: es passieren in dieser Musik sehr viele subtile und feine "Dinge". Zu den wichtigsten Werken von Zygmunt Krauze gehören:
Piece for Orchestra I, II, III (1969, 1970, 1982);
Folk Music (1972);
Aus aller Welt stammende (1973); zwei Klavierkonzerte (1967, 1996); die Oper
Gwiazda / Stern, 1981);
Symphonie parisienne (1986); drei Streichquartette (1965, 1970, 1983); das Klavierquintett (1993);
La Terre für Sopran, Klavier und Orchester (1995).
Perspektive des letzten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts
Im Panorama der polnischen Musik der 90er Jahre sind werden jedoch die Nachkriegsgenerationen immer intensiver präsent. Besondere Aufmerksamkeit verdienen hier vor allem zwei Namen: Eugeniusz Knapik (geb. 1951) und Pawel Szymanski (geb. 1954). Das ganze letzte Jahrzehnt hat Eugeniusz Knapik, gemeinsam mit dem belgischen Stückeschreiber und Maler Jan Fabre, der Arbeit an der Operntrilogie
The Minds of Helena Troubleyn gewidmet, bei der eine durchaus innovative inhaltlich-szenische Schicht einer Musik begegnet, die sich paradoxerweise als "originell eklektisch" bezeichnen lässt. Knapik, aus
Henryk Mikolaj Goreckis Klasse für Komposition hervorgegangen (beheimatet in der Tradition jener musikalischen Form, die vor allem der Musik von Beethoven und Brahms entstammt, sowie in jener Klangkultur, die wir u.a. Richard Strauss, Skrjabin und Messiaen zu verdanken haben) hält in seiner Musik eine so "goldene Mitte" der Proportion zwischen dem Gegenwärtigen und dem Traditionellen, dass schwer zu sagen ist, ob er seine Tonsprache im historischen Raum oder Elemente der spätromantischen und impressionistischen Tradition im Raum der modernen Sprache anbringt. Knapiks Operntrilogie
The Minds of Helena Troubleyn mit dem Text von Jan Fabre entstand in den Jahren 1987-96 und besteht aus folgenden Teilen:
Das Glas im Kopf wird vom Glas - Silent Screams, Difficult Dreams - La libertà chiama la libertÀ. Der Opernästhetik entstammt ebenfalls Eugeniusz Knapiks Werk
Up into the Silence (1996-2000), ein Lied für Sopran, Bariton, Streichquartett und Sinfonieorchester.
Pawel Szymanski verwendet in Bezug auf seine Musik die Bezeichnung "Surkonventionalismus", erfunden von ihm und von Stanislaw Krupowicz (geb. 1952). Der Ausgangspunkt dieser Kompositionstechnik - oder eher der Tonmaterie, die durch diese Kompositionstechnik verarbeitet wird - sind historische Konventionen, Tongesten, die des öfteren aus der Epoche des Barock stammen. Gerade diese, als "Präkompositionsmaterial" komponiert, (es sind also keine Zitate) werden zu grundsätzlichen Elementen, aus welchen Szymanski seine Tonkonstruktionen schöpft. Diese Technik erinnert an eine Art Palimpseste - als würde durch einen Text ein anderer durchscheinen - halbversteckt, halbenthüllt. Bravouröses, virtuoses Spiel von Pawel Szymanski, immer in strenger, konstruktivistischer Disziplin realisiert, seine Musik, die mal mit metaphysischer Tiefe, mal mit einem Feuerwerk fast ungestümer Sinnlichkeit erstaunt, eine Musik von oft hypnotischen Schönheit illusorischer Konstruktionen, stellt wahrscheinlich das bedeutendste Phänomen der polnischen Musik der letzten Jahre dar. Im Schaffen von Szymanski sind vor allem die
Partite II (1978) und
Partite IV (1986) für Orchester und
Partite III (1986) für Cemballo und Orchester;
Cztery utwory liturgiczne / Vier liturgische Stücke, 1981);
Sonata / Sonate für Instrumentalensemble (1982);
Dwa utwory / Zwei Stücke für Streichquartett;
Appendix für Piccoloflöte und Instrumente (1983);
Lux Aeterna (1984);
Dwie Etiudy / Zwei Etüden für Klavier (1986);
quasi una sinfonietta (1990);
5 utworow na kwartet smyczkowy / 5 Stücke für Streichquartett (1992);
Miserere für Stimmen und Instrumente (1993);
Koncert fortepianowy / Klavierkonzert, 1994);
Recalling a Serenade für Klarinette und Streichquartett (1996) zu nennen.
Als ein ideales Beispiel des musikalischen Surkonventionalisms kann das sinfonische Werk
Fin de siÈcle von Stanislaw Krupowicz (1993) betrachtet werden, in welchem der Komponist die Form und Narration unter Anwendung von Idiomen und Konventionen der Musik des 20. Jahrhunderts aufbaut; jener auf der Ebene der Figuren sowie der Ton-, Harmonie- und Strukturprozesse beabsichtigte Eklektizismus ergibt in der Umsetzung ein völlig souveränes und integrales Werk, das gar nichts mit Collage- oder Katalogwerken zu tun hat und auch kein Jonglierspiel mit Stilen ist. Neben
Fin de siÈcle müssen als die wichtigsten Werke von Krupowicz aus den letzten Jahren das mit Abschnitten des Gregorianischen Chorals operierende
Miserere für Kammerchor (1996) sowie
Oratorium na Boze Narodzenie / Weihnachtsoratorium, 1997) angesehen werden. Krupowicz, der mehrere Jahre lang im Computerstudio an der Stanford University gearbeitet hat, wurde im Polen der zweiten Hälfte der 80er Jahre zum bedeutendsten Komponisten der Computermusik (u. a.
Tako rzecze Bosch / Also sprach Bosch für Magnetband, 1985; Wariacje pozegnalne na temat Mozarta /Abschiedsvariationen über Mozart/ für verstärktes Quartett und Magnetband (1986);
Concerto für Tenorsaxophon und Computer (1987);
Tylko Beatrycze / Nur Beatrice für Frauenrezitativ, verstärktes Streichquartett und Magnetband (1988).
Einen besonderen Platz in der polnischen Musiklandschaft nimmt Krzysztof Knittel (geb. 1947) ein. Seinem Schaffen können die besonders in den 70er und 80er Jahren modischen Bezeichnungen wie kulturkritisch und alternativ zugeordnet werden. Indem er die Erfahrungen aus dem Studio der elektroakustischen Musik mit der Praxis von Live-Elektronik und improvisierter Musik verband, die Ideen u.a. von grafischer Computermusik (
Czlowiek - natura /Mensch - Natur, 1991) umsetzte, Poesie, visuelle Künste und Elemente des Rock in seine künstlerischen Projekte integrierte, wurde Knittel zum wichtigsten Künstler auf dem Gebiet der Performances in der polnischen Musik. Dabei ist vor allem das Projekt unter dem Titel
Pociag towarowy / Der Güterzug zu nennen, eine Art work in progress, das in den aufeinanderfolgenden Realisationen mit verschiedenen Künstlern eine immer neue Gestalt annimmt. Zu einem Ereignis des Festivals
"Warschauer Herbst" im Jahre 1999 wurde die Uraufführung der
HeartPiece - Double Opera, die von Krzysztof Knittel und dem amerikanischen Komponisten und Gitarristen John King zum Text von Heiner Müller komponiert wurde.
Beachtenswert ist die in ihren lyrischen Gesten äußerst subtile, introvertierte Musik von Tadeusz Wielecki (geb. 1954). Erinnert sei vor allem an seine
Ballada dziadowska / Bettlerballade für Kammerensemble (1994),
Poemat ekstrawertyczny / Extrovertiertes Poem für Klavier und Magnetband (1995),
Id für Sinfonieorchester (1996) sowie
Concerto À rebours für Violine und Orchester (1998).
Bedeutend ist ebenfalls der einerseits neoklassizistisch, andererseits romantisch anmutende Ton, der in der sehr persönlichen Ästhetik der Werke von Aleksander Lason (geb. 1951) erklingt. Beim Festival
"Warschauer Herbst" wurde
Concerto-Festivo für Violine und Orchester (1995) zum Erfolg, in voller Länge als Zugabe wiederholt und 1998 durch die
Tribune Internationale des Compositeurs in Paris empfohlen. Eine Summe des bisherigen, reichen Schaffens von Aleksander Lason ist seine
III Symfonia "1999" / III. Sinfonie "1999".
Die obengenannten Komponisten, die der Musikhochschule in Kattowitz entstammen sind Eugeniusz Knapik und Aleksander Lason; manchmal wird in diesen Kreis auch Pawel Szymanski einbezogen - alle drei gehören zu den wichtigsten Vertretern der sog. "Generation Stalowa Wola". Der Begriff rührt vom Ort des spektakulären Debüts der Generation her, d.h. der Teilnahme am lokalen Festival
"Junge Musiker der Jungen Stadt" in Stalowa Wola. Beachtenswert sind in dieser Generation ebenfalls Rafal Augustyn (geb. 1951), Krzysztof Baculewski (geb. 1950), Grazyna Pstrokonska-Nawratil (geb. 1947), Lidia Zielinska (geb. 1953) und Jerzy Kornowicz (geb. 1959).
Die jüngste Generation
In der jüngsten Generation polnischer Musiker sind mindestens zwei Namen zu nennen: Hanna Kulenty (geb. 1961) und Pawel Mykietyn (geb. 1971). Die klanglich aggressive Ästhetik der Werke von Kulenty, dank welcher die Komponistin ihre glänzende Karriere in der zweiten Hälfte der 80er Jahre begonnen hat (
Ad unum für Orchester, 1985; zwei
Sinfonien, 1986, 1987;
Arcus für 3 Schlagzeuger, 1988;
Perpetuus für Kammerorchester, 1989), unterliegt in den letzten Jahren einer Veränderung. Immer häufiger sind in ihren Partituren Elemente minimalistischer Provenienz sowie eine immer deutlichere melodische Gestalt der Tonnarration präsent. Die Strukturform ihrer Werke (
II Koncert fortepianowy / II. Klavierkonzert (1991);
I Koncert skrzypcowy / I. Violinkonzert, 1993;
Sineqan Forte für Cello und Orchester, 1994;
Going Up für Kammerensemble, 1995) wird grundsätzlich auf der Basis der sog. bogenpolyphonen Technik gestaltet, die durch ein nicht-synchrones Auftreten von Höhepunkten der einzelnen Formabschnitte eine intensive, die ganze Zeit quasi ungelöste Expressionsspannung der Musik zur Folge hat. Der Erfolg der Oper
The Mother of the Black Winged Dreams bei der Biennale des Musiktheaters in München (Uraufführung: 9.12.1996) lässt in Hanna Kulenty eine der wichtigsten Figuren auf der gegenwärtigen Komponistenszene in Polen erkennen.
Als das spektakulärste Komponistendebüt der 90er Jahre in der polnischen Musik müssen die Errungenschaften von Pawel Mykietyn (geb. 1971) angesehen werden. Er ist ebenfalls Klarinettist, Gründer des Kammerensembles
"Nonstrom". Die Ästhetik seiner Werke erwächst offenkundig aus der Musik von
Henryk Mikolaj Gorecki und Pawel Szymanski. Die ostentativ tonale (Dur-Moll) Musik von Mykietyn, ihr vitaler, oft ungestümer Charakter, eine beinahe plakative formale Klarheit, die durch den künstlerischen Instinkt des Komponisten immer vor der Grenze zum Banalen aufgehalten wird, macht Mykietyn zu der ausdruckvollsten und stärksten Künstlerpersönlichkeit in der jüngsten Generation polnischer Komponisten. Dieser Ruf wird bekräftigt durch die Erfolge des Komponisten: 1995 wurde das Werk
Eine kleine Herbstmusik für Kammerensemble als eines der wichtigsten Ereignisse des Festivals
"Warschauer Herbst" bewertet; im selben Jahr wurde das Werk
3 for 13 für 13 Instrumente durch die
Tribune Internationale des Compositeurs in Paris zum besten Werk eines jungen Komponisten nominiert; im September 1996 hat die
Internationale Tribüne der Elektroakustischen Musik in Amsterdam das Werk
Epifora (1996) für Klavier und Magnetband ausgezeichnet.
Das Bild der polnischen Musik der letzten Jahre ist also mehrdimensional und enthält mehrere Leitfäden; es wäre schwer, es auf einen Nenner zu bringen. Das verbindet diese Musik mit der europäischen Musik, die sich glücklicherweise ebenfalls auf keinen gemeinsamen Nenner bringen lässt. Bei der Betrachtung der Gegenwartsmusik lohnt es sich jedoch festzuhalten, dass hier bereits ein Generationswechsel erfolgt ist und diejenigen Komponisten eine immer wichtigere Rolle spielen, die nach der Zeit der Avantgarden in der Musikgeschichte dieses Jahrhunderts geboren wurden, und die das Wichtigste in ihrem Schaffen erst im kommenden Jahrhundert zum Ausdruck bringen werden.
Zusätzliche Informationen
Biographische Notizen

Krzysztof Knittel (geb. 1947)
Komponist und Pianist, zunächst mit Studentenkabaretts verbunden; schafft seit 1973 elektroakustische Musik; Mitgründer, neben E. Sikora und W. Michniewski, der Komponistengruppe
KEW; Gründer von Ensembles der sog. intuitiven (improvisierten) Musik, der Live-Elektronik. (
Punkty/Linie / Punkte/Linien für Klarinette, Magnetband und Dias, 1973;
Man - Orchestra I für Instrumente und Magnetband, 1982;
Instant reactions für Instrumente und Computer, 1992)

Krzysztof Baculewski (geb. 1950)
Komponist und Musikwissenschaftler, seit 1982 Lehrbeauftragter an der Musikakademie in Warschau. (Orchesterwerke:
A Walking Shadow, 1991; Kammerstücke: drei Streichquartette, 1984-86;
Antitheton I, 1989; Stücke für Chor sowie für Stimmen und Instrumente:
Motet na Boze Narodzenie / Weihnachtsmotette; Oper:
Nowe Wyzwolenie / Neue Befreiung, aufgeführt 1986)

Hanna Kulenty (geb. 1961)
Komponistin, wohnhaft in den Niederlanden; das Schaffen: zwei
Sinfonien, 1986 i 1987;
Passacaglia, 1992;
Trigon für Kammerorchester, 1998;
Szosty krag / Sechster Kreis für Trompete und Klavier, 1995; Oper
Mother of Winged, 1995; Klavierkonzerte und Violinkonzert, Streichquartette.

Pawel Mykietyn (geb. 1971)
Komponist und Klarinettist; 1995 Laureat des Wettbewerbs für Nachwuchs-Interpreten der Musik des 20. Jahrhunderts; Gründer und Mitglied des Ensembles
"Nonstrom". Komponiert vor allem Instrumentalstücke:
3 for 13, 1994;
Eine kleine Herbstmusik, 1995;
Konzert für Klavier und Orchester, 1996;
Epifora für Klavier und Magnetband, 1996.
Tribune Internationale des Compositeurs
Tribune Internationale des Compositeurs - ein alljährlicher (seit 1955) Pariser Wettbewerb, veranstaltet durch den Internationalen Musikrat unter Schirmherrschaft der UNESCO, präsentiert durch öffentlich-rechtliche Hörfunkanstalten der Welt (Der Polnische Hörfunk nimmt daran seit 1959 teil). Ein angesehener Ort für Verifizierung der Gegenwartsmusik. In der Statistik dieser Übersicht belegt die polnische Musik - neben der französischen - den ersten Platz.
Die an polnische Künstler verliehenen Auszeichnungen der Tribune Internationale des Compositeurs:
- 1958 Constantin Regamey, 5 Etüden für Sopran und Orchester
- 1959 Tadeusz Baird, Cztery eseje; Witold Lutoslawski, Muzyka zalobna
- 1961 Krzysztof Penderecki, Tren Ofiarom Hiroszimy
- 1963 Tadeusz Baird, Wariacje bez tematu; Romuald Twardowski, Antyfony
- 1964 Witold Lutoslawski, Trzy poematy Henri Michaux
- 1966 Tadeusz Baird, Cztery dialogi
- 1968 Witold Lutoslawski, II Symfonia
- 1970 Roman Haubenstock-Ramati, Symphonie K
- 1973 Henryk Mikolaj Gorecki, Ad Matrem
- 1974 Marek Stachowski, Neuzis II
- 1976 Krzysztof Meyer, III Kwartet smyczkowy
- 1978 Zbigniew Bujarski, Musica domestica
- 1979 Wlodzimierz Kotonski, Roza wiatrow
- 1980 Aleksander Lason, Symfonia für zwei Klaviere, Blasinstrumente und Schlagzeug
- 1984 Eugeniusz Knapik, Kwartet smyczkowy; Bronislaw K. Przybylski Varsovie
- 1985 Pawel Buczynski, Muzyka opadajacych lisci
- 1986 Marta Ptaszynska La novela d'Inverno
- 1987 Grazyna Pstrokonska-Nawratil, Ikar
- 1988 Aleksander Lason, II Kwartet smyczkowy
- 1990 Marek Stachowski, III Kwartet smyczkowy
- 1992 Bettina Skrzypczak, II Kwartet smyczkowy
- 1994 Stanislaw Krupowicz, Fin de siÈcle; Pawel Szymanski, Miserere
- 1995 Zbigniew Bargielski, Trigonalia; Pawel Mykietyn, 3 dla 13
- 1997 Aleksander Lason, Concerto festivo
- 1998 Zygmunt Krauze, II Koncert fortepianowy
- 1999 Tadeusz Wielecki, Concerto À rebours; Robert Kurdybacha, Koncert für Gitarre und
Streichinstrumente