Die ganze Zeit nach dem 2. Weltkrieg hat der Dokumentarfilm eine wichtige Rolle in der polnischen Kultur gespielt. Nie hat sich jedoch bei uns die Griersonsche Formel eingebürgert, nach welcher diese Art Film vor allem der politischen Bildung diene und dem potentiellen Wähler dabei helfe, sich in der Welt zurechtzufinden. Ja, im polnischen Kulturfilmstudio sind Dutzende von Filmen realisiert worden, welche das Wissen aus allen Bereichen - von der Physik bis zur modernen Malerei - popularisierten; sie wurden dann in Schulen oder Kulturhäusern ausgestrahlt. Der Dokumentarfilm ist jedoch etwas anderes: Seinem Wesen nach eine Momentaufnahme der Wirklichkeit, blieb er jedoch gleichzeitig eine Domäne der Kunst.
Die Eigenart des polnischen Dokumentarfilms
Diese Filme wurden vor allem im 1950 gegründeten - und folglich im Jahre 2000 sein fünfzigstes Jubiläum feiernden - Warschauer Dokumentarfilmstudio hergestellt. Ihre Autoren haben nach einer Methode der Darstellung des von ihnen gewählten Ausschnitts der Welt gesucht, so daß eine künstlerische Aussage entstehen konnte. Dokumentarfilme, in Kinos bis in die 80er Jahre hinein als "Zugabe" vor Spielfilmen ausgestrahlt, haben mit diesen in ästhetischer Konkurrenz gestanden - manchmal recht erfolgreich. Die wertvollsten Dokumentarfilme - zumal sie ein wahres Bild der Welt enthielten - haben hin und wieder ihrem Wesen nach oppositionelle, von der kommunistischen Obrigkeit schlecht angesehene Inhalte geschmuggelt (nach dem 2. Weltkrieg hat Polen bis 1989 dem Block der kommunistischen Staaten angehört). In Extremfällen verbot die Obrigkeit den Vertrieb von Dokumentarfilmen, welche die Fehler oder die Übel des Sozialismus zeigten.
Das erste Filmfestival in Polen war das
Krakauer Kurzfilmfestival. Es wird nach wie vor alljährlich veranstaltet - seit 1961 in der nationalen, seit 1964 in der internationalen Version. Es dominierten dabei Dokumentarfilme und unter Autoren dieser Filme spielte sich dementsprechend der erste Wettkampf der Regisseure ab, der starke Emotionen beim Publikum weckte. Den Hauptpreis des ersten Festivals in Krakau wurde dem berühmten, klassischen Film
MUZYKANCI / MUSIKANTEN von Kazimierz Karabasz verliehen. Gerade Karabasz (geb. 1930) war es, der neben Jerzy Bossak (1910-89) zu den Gesetzgebern der "Ethik und Ästhetik" des polnischen Dokumentarfilms gehörte. Die beiden waren Lehrbeauftragte an der Filmschule in Lodz; Karabasz ist es noch heute. Bossak machte die Studenten für die gesellschaftliche Rolle des Dokumentaristen, für das Gewicht des Themas, für Ausdrucksstärke des Standpunktes des Autors sowie für das Pars-pro-toto-Prinzip sensibel: Über eine detaillierte Beobachtung eines Ausschnitts der Welt sollte der Autor zu allgemeineren, universelleren Phänomenen vorstoßen.
Die "Karabasz-Schule" - eine informelle ästhetische Doktrin, die in den 60er Jahren ihren Höhepunkt erreichte - betonte eine Askese der Realisation: Der Dokumentarist sollte jede Inszenierung vermeiden, das eigene Eingreifen in die Wirklichkeit auf ein Mindestmaß reduzieren und als Hauptpersonen möglichst gewöhnliche, kaum auffallende Menschen wählen. Erst ein sensibler Blick des Dokumentaristen - und die Konstruktion des Films - sollten aus ihnen ungewöhnliche, kennenlernwürdige Gestalten machen.
Eine ähnliche "Dokumentarschule" haben einige Generationen polnischer Filmemacher durchgemacht. Es waren meistens gerade Dokumentarfilme, mit welchen die großen polnischen Regisseure ihre Arbeit im Kino begannen. So war es bei Wojciech Has, Andrzej Wajda, Andrzej Munk, Krzysztof Kieslowski der Fall. Gerade die Generation von Kieslowski hat an der Wende der 60er zu den 70er Jahren den Rang des Dokumentarfilms noch erhöht. Diese Generation - neben dem Autor des
DEKALOG sollten hier ebenfalls Marcel Lozinski, Marek Piwowski, Wojciech Wiszniewski, sowie die etwas älteren Irena Kamienska und Bohdan Kosinski genannt werden - hat eine "Beschreibung der Welt", in der man lebt, mit all ihrer Popeligkeit, Lächerlichkeit und versteckten Schönheit, zu ihrer Pflicht erklärt. Ein Dokumentarfilmemacher darf sich der scharfen Beurteilung der von ihm dargestellten Welt, dem Risiko einer klaren Stellungnahme nicht entziehen, da er einen Teil der Verantwortung für diese Welt auf sich nimmt.
Rückkehr zur demokratischen Normalität
Ab den 80er Jahren begann sich die politische Lage in Polen und damit u. a. auch die Arbeitsbedingungen der Regisseure zu ändern. Die Verhängung des Kriegszustands durch die kommunistische Obrigkeit 1981 hat für eine Zeit lang die Produktion der Dokumentarfilme gebremst. Die meisten angefangenen Projekte mußten aufgeschoben werden. Nach 1989 wiederum, mit der Wiederherstellung des demokratischen Systems, und zu einem bedeutenden Grade noch früher - nach 1987, als ein neues Gesetz über Kinematographie verabschiedet wurde, welches private Filmproduktion zuließ - hatten die Verwandlungen des Dokumentarfilms einen noch anderen Charakter. Sie waren typisch für ein Land, das, nach vier Jahrzehnten des Realsozialismus samt der in diesem System geltenden Zensur, mit einem beschleunigten Tempo demokratische Institutionen in allen Lebensbereichen wiederherstellte. Es waren also einerseits thematische, andererseits Organisations- und Produktionswandlungen. So wie heute in den westlichen Ländern, begann fast die gesamte Dokumentarfilmproduktion durch private Produzenten fürs Fernsehen hergestellt zu werden. Bedingt durch das Tempo dieser Veränderung, ist es Anfang der 90er Jahre zu einem klaren Einbruch bei der einheimischen Dokumentarfilmproduktion gekommen. Dies war übrigens ein Teil eines allgemeinen Prozesses. Die polnischen Kinoleinwände wurden damals völlig durch die amerikanische Kinematographie beherrscht.
In der zweiten Hälfte der 90er Jahre begann sich jedoch die Lage zu normalisieren. Heute läßt es sich sogar sagen, daß es dem polnischen Dokumentarfilm wirklich hervorragend geht. Jährlich werden in Polen von 150 bis 200 Filme dieser Art produziert. Die meisten von ihnen sind auf dem Fernsehbildschirm zu sehen und erfreuen sich eines recht großen Interesses der Zuschauer. Der Zyklus "Czas na dokument" ("Zeit fürs Dokument"), der wöchentlich im ersten Programm des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zur besten Sendezeit ausgestrahlt wird, gehört heute zu den populärsten Fernsehsendungen in Polen. In den 90er Jahren haben polnische Dokumentarfilme mehr wohlverdiente Preise und Lorbeeren errungen als Vertreter aller anderen Filmgattungen zusammen. Es sei hier nur auf die wichtigsten Titel hingewiesen:
USLYSZCIE MÓJ KRZYK / HÖRT MEINEN SCHREI (1991) von Maciej Drygas - ausgezeichnet mit dem Felix für den besten europäischen Dokumentarfilm;
89 MM OD EUROPY / 89 MM NACH EUROPA (1993) von Marcel Lozinski - nominiert für den Oscar und ausgezeichnet mit dem Grand Prix in Oberhausen und Leipzig;
WSZYSTKO MOZE SIE PRZYTRAFIC / ALLES KANN PASSIEREN (1995), ein weiterer Film dieses Regisseurs, überschüttet mit einem ähnlichen Preisregen - darunter mit dem Grand Prix der Festivals in Krakau, San Francisco und auf Bornholm;
FOTOAMATOR / DER FOTOGRAF (1998) von Dariusz Jablonski - ausgezeichnet mit dem Grand Prix des Festivals in Amsterdam;
SYBERYJSKA LEKCJA / SIBIRISCHE LEHRSTUNDE (1998) von Wojciech Staron - ausgezeichnet mit dem Grand Prix des Festivals Cinéma du Réel in Paris;
TAKA HISTORIA / SO EINE GESCHICHTE (1999) von Pawel Lozinski - ausgezeichnet mit dem Grand Prix in Krakau und Leipzig.
Diese gute Lage des heutigen polnischen Dokumentarfilms ist weitgehend eine Folge der Anknüpfung an die Tradition. Einerseits ist die Methode der Produktion und des Vertriebs derartiger Filme jener in westeuropäischen Ländern ähnlich. Andererseits ist die alte Wertehierarchie, wonach der Dokumentarfilm eher zur Domäne der Kunst als der Publizistik und Propaganda gehöre und vor allem in ästhetischen Kategorien bewertet werden solle, nach wie vor gültig.
Bei der Beschreibung des polnischen Dokumentarfilms können vier subjektive Kategorien angewendet werden. Die zwei ersten rühren von Namen der führenden polnischen Dokumentarfilmemacher her, die nicht nur durch ihr Schaffen, sondern auch durch ihre öffentliche Aktivität und ihre Äußerungen die Erscheinungsform des einheimischen Dokumentarfilms der 90er Jahre am stärksten beeinflußt haben. Sowohl ihre Äußerungen als auch ihre Filme sind öfters miteinander in Streit geraten; dadurch war es möglich, nicht nur ihre eigenen künstlerischen Haltungen, sondern auch die auf der jeweils anderen Seite stehenden Regisseure voneinander zu unterscheiden. Praktisch ist diese Einteilung jedoch subjektiv und es kann vorkommen, daß ein Film eines innerhalb der ersten "Schule" genannten Regisseurs mehr Eigenschaften der anderen "Schule" haben wird, und umgekehrt. Wichtig ist, daß die beiden Schulen auf die Gegenwart, auf die Beobachtung der Veränderungen der heutigen Sitten sowie der Evolution des Bewußtseins der heute lebenden Menschen eingestellt sind. Die zwei übrigen Kategorien sind historischer und biografischer Dokumentarfilm.
Die Lozinski-Schule
Die Bezeichnung der ersten Schule wurde vom Namen des prominentesten Dokumentarfilmemachers des Jahrzehnts, Marcel Lozinski (geb. 1940) hergeleitet. Er ist ein Altersgenosse von Krzysztof Kieslowski und entstammt einer ähnlichen Tradition und ähnlichen ästhetischen Prämissen; Lozinski hat bloß den Dokumentarfilm nie aufgegeben. Die Filme dieser Strömung stellen eine schöpferische Fortentwicklung der "Karabasz-Schule" dar: Der Autor ist am täglichen Leben der einfachen Menschen interessiert; bei ihrer Beobachtung sucht er nicht nach Sensation, sondern nach dem Wesen der Dinge, dem Geheimnis. Er scheut dabei nicht vor Inszenierung zurück, meidet nicht die Inspiration der Ereignisse; ist er bei etwas rigoros, so ist es eher das Gefühl der Verantwortung für die von ihm dargestellten Figuren.
Unter den in den 90er Jahren von Marcel Lozinski selbst realisierten Filmen haben drei folgende die obigen Eigenschaften am vollständigsten verwirklicht.
89 MM NACH EUROPA erinnert am meisten an einen klassischen Dokumentarfilm aus der "Karabasz-Schule"; es ist eine nur zwölfminütige Beschreibung eines scheinbar unbedeutenden Ereignisses, in welchem - wie in einem sprichwörtlichen Wassertropfen - die Welt, und besonders einer ihrer Aspekte reflektiert wird: die durch den Titel symbolisierte Zivilisationsgrenze zwischen Ost und West, zwischen arm und reich, zwischen denen, die bereits etwas erreicht haben, und denen, die immer noch erfolglos danach streben. Die 89 Millimeter im Titel sind der Unterschied zwischen der Spurweite der Eisenbahn in Europa und in der ehemaligen Sowjetunion. In der Grenzstation Brest (Weißrußland) wechseln die Arbeiter, bei Einfahrt eines jeden Zuges in ihr Land, das Fahrgestell aus. Der Regisseur, Marcel Lozinski, beobachtet eben diese rituale Handlung und konzentriert sich dabei auf schwer erfaßbare gegenseitige Beziehungen zwischen den Eisenbahnern und den europäischen Fahrgästen.
Ein noch universelleres Thema erscheint im Film
ALLES KANN PASSIEREN. Es ist eine Reihe von Gesprächen eines kleinen Jungen mit alten Menschen, die stundenlang auf Bänken in einem Park sitzen; die Gespräche betreffen die letzten Dinge: den Sinn des Lebens, den Wert der Gefühle, die Einsamkeit, die Angst vor dem Tod. Es sind uralte Dinge, jedoch scheinbar für die hohe Kunst vorbehalten, schwer zu zeigen mit Mitteln des Dokumentarfilms. Indessen hat hier das Aufeinanderprallen der naiven Aufrichtigkeit des Kindes mit dem Ernst der alten Menschen, die sich der kindlichen Mentalität höflich anpassen, einen gewaltigen Effekt erzeugt, und das Schlußbild - der sechsjährige Thomas fährt auf dem Roller weg in die Parkallee hinein und im Vordergrund, zur Musik von Strauss, erscheint ein Pfau, der ein Rad schlägt - ist eine der schönsten Metaphern im Kino des vergangenen Jahrzehnts.
Der dritte Film von Marcel Lozinski,
ZEBY NIE BOLALO / DAMIT ES NICHT WEH TUT (1998), ist eine Wiederaufnahme eines Themas von vor 24 Jahren. 1974 hatte Lozinski den Dokumentarfilm
WIZYTA / EIN BESUCH realisiert, der zwei unterschiedliche Lebenshaltungen miteinander konfrontiert, und zwar am Beispiel einer Begegnung zweier Frauen: Eine bekannte Journalistin aus der Hauptstadt besucht eine junge Frau mit großen intellektuellen Ansprüchen, die einen gewöhnlichen Bauernhof bewirtschaftet; sie macht eine Reportage über sie, versucht aber gleichzeitig, sie zur Veränderung der Lebenshaltung zu bewegen, den "Ehrgeiz" in ihr auszulösen. Jetzt, nach Jahren, kommt der Regisseur zu der gleichen Frau wieder, die immer noch auf dem gleichen Bauernhof arbeitet, mit einer neuen Journalistin - um seine Protagonistin noch einmal zu Bekenntnissen zu bewegen und gleichzeitig zu erfahren, was für einen Einfluß jener viele Jahre zurückliegende Reporterbesuch auf sie ausgeübt hatte. Diese Rückkehr ist für Lozinski zugleich eine Wiederaufnahme des Themas, das den Regisseur seit langem beschäftigt: Inwieweit darf der Dokumentarfilmemacher in das Leben seiner Helden eingreifen - und die Verwendung ihrer Figuren ist ja immer ein solcher Eingriff.
Unter den vielen Fortsetzern der dokumentaristischen Haltung von Lozinski sollte vor allem sein Sohn Pawel Lozinski (geb. 1965) erwähnt werden, der - indem er den Alltag filmte - im Laufe des vergangenen Jahrzehnts besonders wertvolle Ergebnisse erzielt hat. Es geht insbesondere um zwei einander ergänzende Filme von 1999: den einstündigen
SO EINE GESCHICHTE und den zehnminütigen
SIOSTRY / DIE SCHWESTERN. Es sind Porträts alter Menschen, einiger Einwohner eines Wohnhauses im Warschauer Stadtviertel Powisle. Es geht jedoch eher nicht um die Porträts selbst, sondern um den Eindruck einer Beteiligung am Leben, einer Aufzeichnung des Verharrens. An
SO EINE GESCHICHTE hat der Regisseur ein Jahr lang, an
SIOSTRY - wörtlich eine Stunde lang gearbeitet; wichtig ist, daß er in beiden Fällen dem Zuschauer die Gelegenheit gegeben hat, durch den Kontakt mit realen Hauptpersonen das Wesen des Lebens, die Unabwendbarkeit des Zeitverlaufs zu berühren.
Ein Ausdruck ähnlicher Forschungen ist
BENEK BLUES (1999), das Regie-Debüt der erfahrenen Cutterin Katarzyna Maciejko-Kowalczyk. Ein ergreifendes Bild des Alltags zweier Männer, des Vaters und des Sohns, lahmgelegt durch Krankheiten, gemeinsam in einem Zimmer lebend, zwingt den Zuschauer dazu, sich die Grundfragen nach dem Sinn und Zweck der Existenz zu stellen.
Eine Sonderstellung nimmt in dieser Gruppe der großartige abendfüllende Film
NIENORMALNI / DIE UNNORMALEN (1990) von Jacek Blawut ein - der einzige von den hier besprochenen Filmen, der für den Kinovertrieb vorgesehen war. Der Film bewegt sich an der Grenze des Dokumentar- und Spielfilms, ist jedoch einem solchen Verständnis des um den Spielfilm-Ausgangspunkt "verstärkten" Dokumentarfilms nahe, das uns aus Werken von Marcel Lozinski bekannt ist. Das wichtigste ist das Thema von
DIE UNNORMALEN: das Leben einer Gruppe von geistig behinderten Kindern. Die Achse der "Handlung" ist ein Orchester, das unter ihrer Beteiligung von einem Musiklehrer, einem Vertreter des Regisseurs gegründet wird. Der Verlauf jener "Handlung" war jedoch unvorhersehbar: Er wurde durch das Leben selbst aufgedrängt - die Beobachtung einer gemeinsamen Erfahrung der Mitglieder jener ungewöhnlichen Gruppe, ihrer Gefühle, Emotionen, Überwindung der eigenen Einschränkungen.
Im Kreis der Regisseure, welche den Alltag darstellen, gibt es Vertreter aller Generationen. Der Klassiker des polnischen Dokumentarfilms Kazimierz Karabasz ist immer noch aktiv. In dem Film
OKRUCHY / BROSAMEN (1993) konfrontiert er die Einwohner einer Straße, in
PORTRET W KROPLI / PORTRäT IM TROPFEN (1997) verschiedene Einwohner Warschaus miteinander, in
O SWICIE I PRZED ZMIERZCHEM / IM MORGENGRAUEN UND VOR ABENDDÄMMERUNG (1999) läßt er die Äußerungen von Rentnern und Abiturienten aufeinanderprallen.
Unter Vertretern der mittleren Generation, die in den 70er und 80er Jahren debütiert hatten, zeichnet sich das Schaffen von Waldemar Karwat durch eine thematische Konsequenz aus. In den Filmen
BIALY WALC NAD CZARNA HANCZA / WEIßER WALZER AN DER CZARNA HANCZA (1995),
SANNA W CENTRUM WSZECHSWIATA / SCHLITTENFAHRT IM ZENTRUM DES WELTALLS (1996) - die beiden mit Andrzej Pankiewicz als Koregisseur - sowie im Film
TAM, GDZIE PTAKI ZAWRACAJA / WO DIE VÖGEL UMKEHREN (1998) stellt er, am Beispiel des Lebens der Einwohner der nordöstlichen Ecke Polens, die Veränderungen der Sitten und der Mentalität der Landbevölkerung dar. Maria Zmarz-Koczanowicz, ebenfalls auf "soziologischen Dokumentarfilm" spezialisiert, zeichnet sich hingegen durch eine Themenvielfalt aus. An dieser Stelle sollten besonders zwei Filme von ihr erwähnt werden, welche bestimmte für das Jahrzehnt charakteristische gesellschaftliche Phänomene analysieren.
ZAMIEN MNIE W DLUGIEGO WEZA / VERWANDLE MICH IN EINE LANGE SCHLANGE (1997) ist eine Darstellung des Milieus der aus Rumänien eingewanderten Bettler, die sich durch Wärme auszeichnet und zum Verständnis ermuntert.
BARA-BARA / FICKI-FICKI (1996) ist ein ironischer Essay, der die Ursachen der Popularität von Disco Polo, einer kitschigen Strömung in der polnischen Unterhaltungsmusik erforscht. Ironie beherrscht die künstlerische Haltung von Pawel Woldan. In seinem
ZAPROSZENIE / DIE EINLADUNG (1993) bietet die Einladung der Fernsehzuschauer zur Besichtigung des Fernsehgebäudes eine Gelegenheit dazu, sich anzuschauen, wie leicht das kollektive Bewußtsein manipuliert werden kann.
OBYWATELE / DIE BüRGER (1996) desselben Regisseurs ist ein sarkastisches Bild einer dörflichen Gemeinschaft. Ein metaphysisches Dokument kann
ZIARNKO / DAS KöRNCHEN (1996) von Wanda Rozycka-Zborowska genannt werden - ein Porträt des Mannes, der die kleinsten Bücher der Welt (1 x 0,8 mm) erzeugt, ist in der Wirklichkeit ein Versuch, ein religiöses Erlebnis zu beschreiben.
Interessante Versuche, bestimmte allgemeinere Phänomene durch die Aufzeichnung der alltäglichen Erfahrung der auf ihre Art ungewöhnlichen, nicht alltäglichen Helden zu erfassen, sind in Filmen der Debütanten zu finden. Dabei tut sich u.a. Wojciech Staron hervor. Sein
SYBERYJSKA LEKCJA / SIBIRISCHE LEHRSTUNDE (1998) ist eine Aufzeichnung der Erfahrungen einer jungen Frau, die - auf einen Appell der Medien hin - nach Sibirien verreist, um dort den Familien ehemaliger Deportierter aus Polen Polnisch-Unterricht zu erteilen. In
SIEDEM LEKCJI MILOSCI / DIE GESANGSSTUNDE (1999) von Malgorzata Szumowska ist das Porträt eines Opern-Gesanglehrers eine Gelegenheit dazu, die Mentalität und den Lebensstil einer verschwindenden Gesellschaftsschicht zu registrieren, deren Lebenshaltung sich durch Uneigennützigkeit auszeichnete. Ein interessantes Kapitel des autobiografischen Dokumentarfilms wird durch zwei persönliche Filme über Väter aufgeschlagen:
SLAD / DIE SPUR (1996) von Marcin Latallo und
TATA Z AMERYKI / VATI AUS AMERIKA (1997) von Piotr Kielar.
Die Fidyk-Schule
Auch diese zweite Strömung innerhalb des heutigen Dokumentarfilms ist an der Gegenwart, an aktuellem Sittenwandel interessiert. Für die "Fidyk-Schule" ist der Alltag jedoch weniger spannend. Aus ihrer Perspektive sollte der Dokumentarfilm vor allem eine attraktive Show sein, die sich sogar mit großen Hollywood-Produktionen an Popularität messen kann. Ein großer Teil des heutigen Fernsehpublikums sei nämlich mit dem Erfundenen gelangweilt; es sei gespannt darauf, was wirklich vor seinen Augen geschehen ist oder geschieht. Der Standpunkt des Autors sei weniger wichtig: es zähle vor allem die von ihm getroffene Wahl eines fesselnden Themas und sein Erzählgeschick, der Gewohnheiten des gegenwärtigen Empfängers bewußt.
In allen westlichen Ländern waren die 90er Jahre eine Periode der wachsenden Rolle der "Reality Shows" in Fernsehsendungen. Kein Zufall also, daß der neue Erfolg dieses Trends sich in Polen sich mit dem Namen eines geschickten und dynamischen Fernsehmanagers verbindet. Der besondere Popularitätsanstieg des Dokumentarfilms im polnischen Fernsehen datiert seit dem Zeitpunkt, als im Sommer 1996 eben Andrzej Fidyk (geb. 1953) Chef des Dokumentarfilmredaktion im ersten Programm des öffentlich-rechtlichen Fernsehens geworden ist. Unter seiner Leitung begann sich die Produktion von Dokumentarfilmen zu entwickeln, die für ein Massenpublikum wirklich attraktiv waren. Die von Fidyk geschaffenen Zyklen - "Czas na dokument" ("Zeit fürs Dokument"), "Miej oczy szeroko otwarte" ("Halte deine Augen weit offen") erreichen heute eine Einschaltquote, die sich mit derjenigen der amerikanischen Hits vergleichen läßt. Hier müssen jedoch zweierlei Vorbehalte gemacht werden. Erstens, der Name Fidyk ist hier lediglich ein Signal einer bestimmten Tendenz. Es geht nämlich nicht nur um Dokumentarfilme, die unter seiner Obhut in der Dokumentarfilmredaktion des 1. Programms des Polnischen Fernsehens produziert worden sind. Zweitens kann Fidyk als Schutzpatron dieser Strömung nicht nur als Manager, sondern auch als Regisseur gelten, der durch die Originalität der von ihm gewählten Themen bereits in den 80er Jahren allgemeine Aufmerksamkeit erregte.
Als ein Musterfilm dieser Strömung kann
DEFILADA / DIE PARADE angesehen werden, realisiert von ihm 1989 in Nordkorea, noch zu Lebzeiten von Kim Il Sung, dem kommunistischen Diktator des Landes. Der Film dokumentiert - auf eine faszinierende Art und Weise - das Fassadenzeremoniell des Totalitarismus, er tut es jedoch mit der kalten Objektivität eines unbeteiligten Beobachters. Folglich liegt die Interpretation des Films beim jeweiligen Empfänger; er kann als Verspottung des Systems oder ebenso gut als dessen Propaganda angesehen werden. So wurde der Film auch rezipiert: In Polen löste er Salven von erfrischendem Gelächter aus, im Westen wurde er als eine erschreckende Warnung betrachtet, in Korea hingegen wurde er mit angemessener Ehrfurcht empfangen, ohne daß das im Werk enthaltene Spottpotential bemerkt wurde. Auch in den 90er Jahren hat Fidyk konsequent nach seinen Themen gesucht, indem er in der Welt herumreiste. Er fand sie im Iran -
SEN STASZKA W TEHERANIE / STASZEKS TRAUM IN TEHERAN (1992), in Rußland -
ROSYJSKI STRIPTEASE / RUSSISCHER STRIPTEASE (1993), in Brasilien -
CARNAVAL - NAJWIEKSZE PARTY SWIATA / CARNAVAL - DIE GRÖßTE PARTY DER WELT (1995), in Indien -
KINIARZE Z KALKUTY / WANDERKINO DER TRÄUME (1998), und versuchte jeweils eine - mal epistemologische, mal poetische - Synthese der dargestellten Phänomene zu erreichen.
Dem Beispiel von Fidyk folgend, haben auch andere Regisseure auf dem Gebiet der fremden Kulturen oder dort, wo diese miteinander in Berührung kommen, nach ihren Themen gesucht. Erwähnenswert ist insbesondere Jan Sosinski, Autor von
CZARNE TULIPANY / SCHWARZE TULPEN (1997), der über die Formation der russischen Veteranen des Afghanistan-Kriegs erzählt; sowie von
TATO, PAMIETASZ? / VATI, ERINNERST DU DICH? (1999) - einer Geschichte über eine bereits reife Frau, halb Polin, halb Albanerin, die nach Tirana fährt, um zum ersten Mal im Leben ihren albanischen Vater zu treffen. Ein schönes, kollektives Porträt der Einwohner Havannas hat im Film
PRZYSZLOSC ZLUDZEN / DIE ZUKUNFT EINER ILLUSION (1997) der in Polen lebende Venezolaner Franco De Pena, Absolvent der Filmschule in Lodz geschaffen. Die in Polen lebende Griechin Athena Sawidis stellt im Film
OJCZYZNY MOJE / MEINE VATERLÄNDER (1995) die Schicksale der Nachfahren von griechischen Flüchtlingen dar, die in den 40er Jahren vor dem Regime der "Schwarzen Obersten" nach Polen geflohen waren, dann in den 70er Jahren größtenteils in das Land ihrer Väter zurückkehrten und jetzt Sehnsucht empfinden, zwischen zwei Kulturen hin- und hergerissen.
Der seit Jahren in Schweden lebende polnische Filmemacher Jerzy Sladkowski hat wiederum in
SZWEDZKIE TANGO / SCHWEDISCHER TANGO (1999) ein tiefsinniges Porträt seiner neuen Heimat präsentiert, und zwar am Beispiel des Bildnisses einer älteren Ehe, die eine zweite Jugend erlebt, indem sie Tango lernt. Eine ergreifende Geschichte über fünf Brüder und Schwestern aus einem polnischen Kinderheim, adoptiert durch eine amerikanische Ehe, hat Piotr Morawski in
TATA, I LOVE YOU / VATI, I LOVE YOU (1998) erzählt.
Besonders viele Filme sind dem modernen Rußland gewidmet worden, was - nach vielen Jahren der Heuchelei, die diesbezüglich in der Volksrepublik Polen gegolten hatte - nicht verwunderlich ist. Erwähnenswert ist insbesondere die 16-teilige Reihe
POCZTÓWKI Z MOSKWY / ANSICHTSKARTEN AUS MOSKAU (1993) von Iwona Bartolewska, die dreiteilige Reihe des erwähnten Jerzy Sladkowski
TAJEMNICE ROSJI / RUßLANDS GEHEIMNISSE (1998-1999); die Reihe
ZYCIE NA CZERWONO / DAS LEBEN IN ROT (1996) von Michal Bukojemski, die in Moskau lebenden Polen darstellend; der satirische Streifen
BOSKOSC STALINA W SWIETLE NAJNOWSZYCH BADAN / DIE GOTTHEIT STALINS IM LICHTE DER JüNGSTEN UNTERSUCHUNGEN (1998) von Krzysztof Nowak-Tyszowiecki oder der Film
PRAWDZIWY OJCIEC CHRZESTNY / DER WAHRE PATE (1998) von Marcin Mamon - ein geheimnisvolles Porträt eines tschetschenischen Mafia-Führers.
Besonders bedeutend waren in dieser Gruppe Filme, welche die neue Wirklichkeit des heutigen demokratischen Polens darstellten. Sie haben oft das meiste Interesse geweckt, gleichzeitig aber viele Auseinandersetzungen und Kontroversen ausgelöst. Dies geschah, weil die darin behandelten Themen - die neuen Elendsgebiete, die äußerst schwierigen Lebensbedingungen der Ärmsten, die in kapitalistischen Bedingungen nicht zurechtkommen können, zunehmende Kriminalität, Alkoholismus, Drogensucht - einerseits wichtig und schmerzhaft, andererseits äußerst medienattraktiv sind. Daher ist es manchmal schwer zu entscheiden, ob die Intention des Autors darin bestand, die Zuschauer zu erschüttern oder sie eher mit Bildern der Grausamkeit zu verblüffen. Als zum Beispiel in der Mitte des Jahrzehnts Dokumentarfilme über Gefängnisse und Verbrecher in Mode gekommen waren, dominierte in den meisten von ihnen offensichtlich der zweite Aspekt.
Die meist kontroverse Regisseurin dieser Periode ist Ewa Borzecka (geb. 1960), die sich auf die Darstellung der ärmsten, durch den neuen Kapitalismus ausgestoßenen Menschen spezialisiert hat. In
TRZYNASTKA / DREIZEHN (1996) hat sie das alltägliche Leben einer armen Dorfbewohnerin aus Podkarpacie dargestellt, die dreizehn Kindern allein großzieht. In
ARIZONA (1997) hat sie das hoffnungs- und aussichtslose Leben der arbeitslosen Einwohner eines ehemaligen Volkseigenen Guts (polnische Version der LPG) gezeigt, welche an das Leben in kapitalistischen Verhältnissen nicht angepaßt sind. "Arizona" vom Titel ist die Marke des billigsten Weines, der für Leute wie die Hauptpersonen heute manchmal die einzige Methode der Flucht vor der Wirklichkeit ist. Das umfangreichste Panorama verschiedener Schicksale von Menschen, welche die Arbeit, das Zuhause, die Selbständigkeit im Leben verloren haben, hat die Regisseurin im Film
ONI / DIE DA (1999) dargestellt. Die Filme von Ewa Borzecka spalten meistens das Publikum. Die einen behaupten, die Hauptpersonen seien darin kalt, ohne Mitgefühl dargestellt, und der Zuschauer bleibe ratlos gegenüber ihrem Leid. Die anderen sind der Meinung, daß eben die Poetik der Filme von Borzecka den Zuschauer mit Schauder erfülle und ihn zu einer menschlichen Betrachtung der Ärmsten zwinge.
Zu einem Gegenstand des Interesses der Dokumentarfilmemacher ist auch der Gegenpol der Gesellschaftsstruktur geworden: Menschen, denen es im Kapitalismus gut geht. Das größte Aufsehen erregte der Film
WITAJCIE W ZYCIU / WILLKOMMEN IM LEBEN (1997) von Henryk Dederko, der die Kulissen der Aktivität der amerikanischen Firma Amway in Polen schildert. An diesem Beispiel zeigen die Realisatoren die Risiken eines neuen Lebensstils, in welchem die traditionellen Moralwerte durch das Goldene Kalb ersetzt werden. Die Firma Amway hat jedoch den Regisseur wegen Schädigung ihres Ansehens angeklagt, was dazu geführt hat, daß der Film immer noch nicht öffentlich ausgestrahlt werden darf. Ein ähnliches Thema wird auch durch andere Autoren behandelt, z.B. Ewa Stankiewicz und Grzegorz Siedlecki zeigen im Film
DYWIZJA MARKETING / DIVISION MARKETING (1997) das Training von Verkäufern einer Werbeagentur, und Ewa Straburzynska betrachtet im Film
WYSOKIE OBCASY / HOHE STÖCKEL (1999) eine modellhafte gegenwärtige Businesswoman, die sich mit der Rattenbekämpfung beschäftigt.
Eine große Diskussion hat der Debütfilm des jungen Regisseurs und Studenten der Filmschule in Kattowitz Marcin Koszalko
TAKIEGO PIEKNEGO SYNA URODZILAM / SO EINEN SCHÖNEN SOHN HAB' ICH GEBOREN (1999) hervorgerufen. Er zeigt die Hölle des alltäglichen Familienlebens am Beispiel seiner eigenen Familie, in welcher die "toxische Mutter", die ohne Zweifel ihren erwachsenen Sohn liebt, ihn aber gleichzeitig mit einer unablässigen Flut von Vorwürfen quält. Manche behaupten, daß der Film die zulässigen ethischen Grenzen verletze. Marcel Lozinski hat den Autor sogar einen Muttermörder genannt. Unter jungen Zuschauern ist der Streifen jedoch zu einem Kultwerk geworden; nach ihrer Meinung könne ein derartiges Werk, indem es eine sich in Tausenden polnischen Häusern wiederholende Situation zeigt, eine kollektive Katharsis herbeiführen.
Eine neue Erscheinung ist ebenfalls das Auftreten in der Saison 1999/2000 von Dokumentarreihen, welche die hochbeliebte Form einer Fernsehserie zur Darstellung von authentischen Geschehnissen verwendet. Das polnische öffentlich-rechtliche Fernsehen hat die Reihe
SZPITAL DZIECIATKA JEZUS / JESUSKIND-KRANKENHAUS von Grzegorz Siedlecki und Nono Dragovic produziert - über Patienten jenes Krankenhauses; die Serie
NIEPARZYSCI / DIE UNGERADEN von Ewa Straburzynska - über einsame Menschen, welche die Dienstleistungen eines Heiratsbüros in Anspruch nehmen; die Serie
PIERWSZY KRZYK / DER ERSTE SCHREI von Wojciech Szumowski - über Patientinnen einer Entbindungsklinik in Krakau, die sich auf die Geburt vorbereiten. Die Beliebtheit ähnlicher Reihen ist in der ganzen Welt ein neues Phänomen, das jedoch auf das uralte menschliche Bedürfnis zurückzuführen ist, das Leben der Anderen heimlich zu beobachten.
Historischer Dokumentarfilm
Anfang der 90er Jahre - besonders während der Euphorie der "wiedererlangten vollen Freiheit", als 1989 der Kommunismus in Polen gestürzt war - ist eine ganze Reihe von historischen Dokumentarfilmen entstanden. Deren Realisation wurde als eine Verpflichtung angesehen, das bisher Verschwiegene zur Sprache zu bringen, eine Vielzahl von Themen aus der jüngsten Geschichte Polens, die in der Ära der Volksrepublik Polen entweder Tabu, oder - entstellt - ein Feld der ideologischen Propaganda waren, endlich ohne jede Zensureinschränkung darzustellen.
Eines von solchen Themen waren die Ereignisse aus den Jahren 1918-21: die Wiedererlangung der Unabhängigkeit durch Polen nach 123 Jahren Unfreiheit (nach der kommunistischen Propaganda sollen die Polen vor allem der Oktoberrevolution in Rußland und persönlich Lenin die Unabhängigkeit verdankt haben) sowie der polnisch-sowjetische Krieg. Es war das Thema zweier Filme von Wincenty Ronisz von 1992:
A JEDNAK POLSKA - 1918-1921 / UND DOCH POLEN - 1918-1921 und
WOJNA POLSKO-BOLSZEWICKA 1918-1921 /DER POLNISCH-SOWJETISCHE KRIEG 1918-1921, sowie des Dokumentarfilms von Zbigniew Kowalewski über die Verteidigung Lembergs 1918
WSZYSTKO DLA ORLAT / ALLES FÜR JUNGE ADLER (1992). Der abendfüllende Streifen
"... I ZDRADA" / "... UND VERRAT" (1991) von Marek Drazewski hat - unter Einsatz der endlich geöffneten Archive - eine neue Fassung der Geschichte der polnischen Außenpolitik in der Zwischenkriegszeit samt der größten Tragödie dieser Politik, nämlich den Ereignissen vom September 1939, präsentiert.
Eine separate Gruppe von Filmen knüpft an die Zeit des Zweiten Weltkriegs und vor allem an zwei Themen an. Das erste ist das zur Zeit der Volksrepublik Polen völlig verbotene Thema des Katyn-Massakers, das heißt der Ermordung von etwa 15 000 polnischen Offizieren in sowjetischen Kriegsgefangenenlagern im April 1940. Unter den diesem Thema gewidmeten Filmen tun sich insbesondere zwei abendfüllende Streifen hervor:
LAS KATYNSKI / DER KATYN-WALD (1990) von Marcel Lozinski und
NIE ZABIJAJ / DU SOLLST NICHT TÖTEN (1992) von Jozef Gebski. Der letztere Regisseur hat dann eine Filmreihe über die Geschichte der Zwangsarbeitslager in der Sowjetunion realisiert:
GORACZKA ZLOTA,
GORACZKA CHLEBA,
GORACZKA URANU (Goldrausch, Brotrausch, Uranrausch, alle von 1993). Das andere wichtige Kriegsthema, zur Zeit der Volksrepublik Polen ungern behandelt, ist der Holocaust. Unter mehreren polnischen Dokumentarfilmen, welche diesem Thema gewidmet sind, sind es besonders vier, die besondere Aufmerksamkeit verdienen. Die Hauptperson des
MIEJSCE URODZENIA / DER GEBURTSORT (1992) von Pawel Lozinski - der polnische Schriftsteller jüdischer Herkunft
Henryk Grynberg, seit Jahren in den USA wohnhaft - kommt mehrere Jahre nach dem Krieg in sein Heimatdorf in Zentralpolen, um das Geheimnis des tragischen Todes seines Vaters während der Besatzungszeit zu enthüllen. Der Zuschauer begleitet die Lösung dieses Rätsels, wird Zeuge der authentischen Szene, als der Schriftsteller das Grab seines Vaters findet. Der Film
KRONIKA POWSTANIA W GETCIE WARSZAWSKIM WG MARKA EDELMANA / CHRONIK DES AUFSTANDS IM WARSCHAUER GHETTO NACH MAREK EDELMAN (1994) von Jolanta Dylewska ist eine Tag-für-Tag-Aufzeichnung der tragischen Ereignisse vom April 1943. Die Regisseurin hat das einst durch die Nazis gedrehte Filmmaterial (ein anderes gibt es ja nicht) verwendet und - durch Spaltung der Bilder in Teile, Vergrößerung der Details, Verlangsamung des Tempos - künstlerisch verarbeitet. Das auf diese Weise erreichte Bild wird konfrontiert mit dem Bericht des letzten lebenden Anführers des Aufstands der Juden im Warschauer Ghetto, Marek Edelman. In der Montage beginnen die Archivaufnahmen quasi ein neues Leben und passen sich dem Blick des zeitgenössischen Künstlers an. Einen ähnlichen Weg ist Dariusz Jablonski, Autor des
FOTOGRAF (1998) gegangen: er hat nämlich den Bericht eines Zeitzeugen, Arnold Mostowicz, der während der deutschen Besatzung Arzt im jüdischen Ghetto in Lodz war, mit einer zufällig gefundenen Serie von Farbdias konfrontiert, die während des Kriegs von einem deutschen Buchhalter im Ghetto gemacht wurden.
NAJSZCZESLIWSZY CZLOWIEK / DER GLÜCKLICHSTE MENSCH (1994) von Barbara Balinska und Krzysztof Kalukin erzählt schließlich eine gegenwärtige Geschichte, die im Holocaust wurzelt. Der Film stellt einen ungewöhnlichen Moment, einen Wendepunkt im Leben eines Mannes dar, der mehrere Jahre nach dem Krieg seine in den Besatzungsjahren verlorene jüdische Schwester wiederfindet.
Die meisten Dokumentarfilme wurden jedoch der Reinigung der Nachkriegsgeschichte von Lügen gewidmet. Unter jenen Streifen über die Geschichte der Volksrepublik Polen nimmt - sowohl im Hinblick auf das Thema als auch auf dessen filmische Bearbeitung - das Werk
USLYSZCIE MOJ krzyk von Maciej Drygas eine Sonderstellung ein. Es ist ein seltener Fall, wenn durch die Arbeit eines Dokumentarfilmemachers in das kollektive Bewußtsein ein ungewöhnliches Ereignis, das zuvor dort gefehlt hatte, eingeführt wird. Es war nämlich Drygas selbst, der die Geschichte von Ryszard Siwiec entdeckt hat, der - zum Zeichen des Protestes gegen den Einmarsch polnischer Truppen in die Tschechoslowakei im Rahmen der Militärintervention des Warschauer Paktes 1968 - den Akt der Selbstverbrennung vor Augen der hunderttausend Menschen während einer großen Partei-Zeremonie im Stadion des 10. Jahrestages in Warschau vollführte. Drygas ging diesem Ereignis auf die Spur und erzählte darüber, um die Zuschauer nicht nur zu einer neuen Betrachtung der Geschichte der Volksrepublik Polen zu zwingen, sondern ihre eigene Beteiligung daran umzuwerten.
Viele Filmautoren - indem sie die Archive benutzten, die Äußerungen der Zeugen arrangierten - haben über diverse dramatische Episoden der Nachkriegsgeschichte erzählt, die in Polen so lange verschwiegen wurden, daß sie im kollektiven Bewußtsein praktisch ebenfalls kaum präsent waren.
PROCES SZESNASTU / PROZEß DER SECHZEHN (1991) von Wlodzimierz Dusiewicz präsentiert authentische Gerichtsmaterialien aus dem Prozeß, den die sowjetischen Behörden im Juni 1945 gegen die Anführer des polnischen Untergrunds angestrengt haben. Der Streifen
MLODSI OD SWOICH WYROKOW / JüNGER ALS IHRE URTEILE (1994) von Krystyna Mokrosinska erzählt über politische Häftlinge aus der Stalin-Ära. Der Film
CZARNI BARONOWIE / SCHWARZE BARONE (2000) von Wanda Rozycka-Zborowska erzählt, wie die der Obrigkeit gegenüber nonkonformistisch eingestellten Menschen in jener Epoche zu harter Arbeit in Kohlenbergwerken, die in Arbeitslager verwandelt waren, gezwungen wurden.
NIEFACHOWY STRYCZEK / DILETTANTISCHER STRICK (1997) von Robert Stando erinnert an die kontroverse Episode der letzten öffentlichen Hinrichtung auf dem Gebiet Polens: die Erhängung des Nazi-Gauleiters Arthur Greiser im Juli 1946 in Posen.
DROGA DO SKRZYZOWANIA / DER WEG ZUR KREUZUNG (1994) von Grzegorz Braun erinnert an eine andere vergessene Episode: im August 1968, während der Intervention der Truppen des Warschauer Paktes in der Tschechoslowakei, haben polnische Soldaten zwei Tschechen erschossen.
LENIN Z KRAKOWA / LENIN AUS KRAKAU (1996) von Jerzy Ridan und Jerzy Kowynia konfrontiert die Haltung eines bekannten Bildhauers, des Autors des Lenin-Denkmals in Nowa Huta, mit derjenigen des Mannes, der Jahre später für die Sprengung dieses Denkmals vor Gericht geladen wurde. Der Streifen
JESTEM MORDERCA / ICH BIN EIN MöRDER (1998) von Maciej Pieprzyca stellt die Glaubwürdigkeit der Gerichtsbarkeit zur Zeit der Volksrepublik Polen in Frage, indem er das Beispiel des sog. Vampirs aus Zaglebie benutzt - eines Schauprozesses aus den 70er Jahren. Durch künstlerischen Erfindungsreichtum tut sich der Film
CICHA PRZYSTAN / STILLER HAFEN (1995) von Marcin Malec hervor, der zeigt, wie die Ausführung der durch eine Untergrundorganisation gefällten Todesurteile während der Besatzungszeit das gesamte Weiterleben der Hauptperson geprägt hat.
Unter den Versuchen, eine Synthese der jüngsten Geschichte Polens zu schaffen, sei die vierteilige Reihe
1945-1989 (1989, französischer Titel:
POLOGNE JAMAIS VUE À L'OUEST) von Marcel Lozinski erwähnt, welche das offizielle Propaganda-Bild der Volksrepublik Polen aus der Polnischen Wochenschau mit Geschichten konfrontiert, die von vier Aktivisten der politischen Opposition erzählt werden. Beachtenswert ist auch der kurze Dokumentarfilm
MOTLOWE MARYNARKI / JACKETS, DIE GESCHICHTE MACHEN, in welchem zwei Einwohner Breslaus - ein Pole und ein Jude - alte Anzüge durchsuchen und sich dabei über die Nachkriegsgeschichte Polens unterhalten.
Eine besondere Erwähnung verdient das reiche Dokumentarfilmschaffen eines bekannten Spielfilmemachers, des ewigen Avantgardisten und Experimentators Grzegorz Krolikiewicz. Seine Filme haben jedoch eher den Charakter von leidenschaftlichen politischen Aussagen als von objektiven Zeugnissen eines Historikers. Das ist auch dann der Fall, wenn Królikiewicz Filme über den Präsidentschafts-Wahlkampf von Lech Walesa realisiert - die Reihe von vier Dokumentarfilmen von 1991:
NOWY POCZATEK / DER NEUBEGINN,
CZLOWIEK ZE STUDNI / DER MANN AUS DEM BRUNNEN,
WOLNA ELEKCJA / FREIE WAHL,
SLUCHAJ NARODU / HÖR AUF DAS VOLK, als auch dann, wenn er über das ewige Vertagen - schon jetzt, im freien Polen - des Prozesses der Häscher aus der Stalin-Ära erzählt.
Biographien
Eine separate Gruppe von Filmen bilden biographische Werke über bedeutende Persönlichkeiten - Politiker, Wissenschaftler, Künstler. Sie werden besonders gern durch das Fernsehen gezeigt, haben aber auch oft einen beträchtlichen Bildungswert. Unter mehreren Filmen über den berühmtesten Polen der Gegenwart, den Heiligen Vater Johannes Paul II. sind drei Titel besonders erwähnenswert: zwei Überblicksdarstellungen -
PONTYFIKAT / PONTIFIKAT (1997) von Andrzej Trzos-Rastawiecki und
NIE LEKAJCIE SIE! / FÜRCHTET EUCH NICHT! (1998) von Krzysztof Zanussi sowie
CALOPALENIE / BRANDOPFER (1999) von Ewa Swiecinska, in welchem die Person des Papstes aus der Perspektive seiner Jugendfreunde gezeigt wird. Unter Filmen über andere Autoritäten des polnischen öffentlichen Lebens seien folgende Titel erwähnt:
KURIER NADZIEI / KURIER DER HOFFNUNG (1992) von Zbigniew Kowalewski - über Jan Nowak-Jezioranski;
REDAKTOR / REDAKTEUR (1994) von Ignacy Szczepanski - über Jerzy Giedroyc;
ZWYCZAJNA DOBROC / GEWöHNLICHE GÜTE (1998) von Maria Zmarz-Koczanowicz - über Jerzy Turowicz.
Dokumentarfilme über Wissenschaftler:
OGRODY TADEUSZA REICHSTEINA / TADEUSZ REICHSTEINS GÄRTEN (1994) von Krzysztof Krauze - über den im Inland unbekannten, weil seit Jahrzehnten in der Schweiz arbeitenden polnischen Nobelpreisträger für Medizin (der Nobelpreis ist ihm als einem Schweizer Staatsbürger verliehen worden);
HISTORIA NORMANA DAVIESA / NORMAN DAVIES' GESCHICHTE (1998) von Krzysztof Wierzbicki - über einen hervorragenden britischen Historiker, der sich mit Polens Geschichte befaßt und sich in Polen großer Popularität erfreut. Über Schriftsteller:
JAROSLAW IWASZKIEWICZ, JAKIM POZOSTAL W LUDZKIEJ PAMIECI / JAROSLAW IWASZKIEWICZ, WIE ER IN MENSCHLICHER ERINNERUNG GEBLIEBEN IST (1993) von Mieczyslaw B. Vogt;
I POWIESZ JESTEM / UND DU SAGST ICH BIN DA (1994) von Andrzej Titkow - über Julian Stryjkowski;
DZIENNIK PISANY POD WULKANEM / TAGEBUCH, GESCHRIEBEN UNTER DEM VULKAN (1995) ebenfalls von Titkow - über
Gustaw Herling-Grudzinski;
LIST Z ARGENTYNY / EIN BRIEF AUS ARGENTINIEN (1997) - ein überraschendes Werk von Grzegorz Pacek über
Witold Gombrowicz;
DOWODY NA ISTNIENIE HANNY K. / BEWEISE FÜR DIE EXISTENZ VON HANNA K. (1999), nochmals von Andrzej Titkow - über
Hanna Krall. Über bildende Künstler:
SIEDEM MISTERIOW WEDLUG STASYSA / SIEBEN MYSTERIEN NACH STASYS (1994) von Andrzej Papuzinski - über Stasys Eidrigevicius;
JAN LEBENSTEIN - DZIENNIK SAMOTNIKA / JAN LEBENSTEIN - TAGEBUCH EINES EINSAMEN (1999) von Andrzej Wolski;
SKANDALISTKA KASIA K. / SKANDALNUDEL KASIA K. (1999) von Grazyna Bryzuk - über Katarzyna Kozyra. Über einen berühmten Theatermacher:
JERZY GROTOWSKI - PRÓBA PORTRETU / JERZY GROTOWSKI - VERSUCH EINES PORTRÄTS (1999) von Maria Zmarz-Koczanowicz. Über einen Schauspieler:
ANDRZEJ SEWERYN - AKTOR, ACTEUR (1999) von Wojciech Michera.
Es gibt auch einige wertvolle Filme über Filmemacher. Manche wurden von ihnen über sich selbst gedreht:
ZYWE OBRAZY / BEWEGLICHE BILDER (1995) von Stanislaw Rozewicz oder
KREDYT I DEBET / KREDIT UND DEBET (1999) von Andrzej Wajda. Es überwiegen aber solche Filme, die von anderen über sie angefertigt wurden:
ZYCIE JAK FILM / EIN LEBEN WIE EIN FILM (1994) von Jadwiga Zajicek - über Jerzy Bossak;
KRZYSZTOF KIESLOWSKI - I'M SO, SO (1996) von Krzysztof Wierzbicki;
ZE SNU SEN / AUS DEM TRAUM EIN TRAUM (1998) von Adam Kuczynski - über Wojciech Has;
MARZENIA SA CIEKAWSZE / DIE TRäUME SIND INTERESSANTER (1999) von Stanislaw Janicki - über Andrzej Wajda;
IDAC, SPOTYKAJAC / GEHEN, BEGEGNEN (1999) von Antoni Krauze - über Stanislaw Rozewicz. Erwähnt sei auch
STO LAT W KINIE / HUNDERT JAHRE KINO (1995) von Pawel Lozinski - eine einstündige Übersicht über die Geschichte des polnischen Films. Angesichts all des oben Erwähnten ist es schwer zu verstehen, wieso sowohl in diesem Film als auch in populären Abhandlungen über die Filmgeschichte den Dokumentarfilmemachern so wenig Platz eingeräumt wird.
Zusätzliche Informationen
Biographische Notizen

Ewa Borzecka (geb. 1960)
Absolvierte Journalistik. Für ihre zwei ersten Dokumentarfilme -
URODZILEM SIE ANIOLEM (1987),
SPRAWA SZERYFA (1988) - wurde sie mit Bronzenen Lajkoniks beim Krakauer Dokumentarfilmfestival ausgezeichnet. In den 90er Jahren hat sie sich auf Sozialthematik spezialisiert und das Schicksal der untersten Schichten der Gesellschaft dargestellt -
KOBIETY, KOTY, DZIECI (1995),
TRZYNASTKA (1996, Grand Prix des Balticum-Festivals auf Bornholm),
ARIZONA (1997, Goldener Lajkonik in Krakau),
ONI (1999).

Andrzej Fidyk (geb. 1953)
Chef der Dokumentarfilmredaktion im 1. Programm des TVP (u.a. Autor des Zyklus "Czas na dokument"). Für sein Dokumentardebüt
IDZIE GRZES PRZEZ WIES (1983) erhielt er den Bronzenen Lajkonik beim Krakauer Dokumentarfilmfestival. Seither bringen es alle seine Filme zu Preisen und Ansehen; u.a.
PRäSIDENT (1985, Silberner Lajkonik und Silberner Drache in Krakau),
DEFILADA (1989, Grand Prix in Leipzig und Mannheim, Silberner Lajkonik in Krakau), Ostatki (1990),
ROSYJSKI STRIPTEASE (1992),
SEN STASZKA W TEHERANIE (1993),
CARNAVAL - NAJWIEKSZE PARTY SWIATA (1995),
KINIARZE Z KALKUTY (1998, Grand Prix in Straßburg).

Marcel Lozinski (geb. 1940)
Absolvierte die Technische Hochschule in Warschau und Regie an der Filmschule in Lodz. In den 80er Jahren hat er in Kooperation mit französischem Fernsehen die Dokumentarreihe
1945-1989 (1989) gedreht - eine Skizze der Geschichte der Volksrepublik Polen. Weltruhm haben seine Streifen aus den 90er Jahren erlangt:
LAS KATYNSKI (1990),
89 MM OD EUROPY (Grand Prix in Oberhausen, Oscar-Nominierung),
WSZYSTKO MOZE SIE PRZYTRAFIC (1995, Grand Prix in Krakau),
ZEBY NIE BOLALO (1998, Grand Prix in Leipzig).

Pawel Lozinski (geb. 1965)
Absolvierte Regie an der Filmschule in Lodz. Allgemeine Aufmerksamkeit erregte er bereits mit seinem Abendfüllenden DOkumentardebüt
Miejsce urodzenia (1992). Arbeitete mit Krzysztof Kieslowski zusammen; u.a. realisierte nach einer Idee von ihm den Film
STO LAT W KINIE (1995). Ein neuer Vorschlag des "Privatdokuments", welches die Aufzeichnung des Alltags mit der Stellung von existentiellen Fragen verbindet, sind seine zwei Filme von 1999:
TAKA HISTORIA und
SIOSTRY (u.a. Goldener Lajkonik und Silberner Drache in Krakau, Grand Prix in Leipzig).

Grzegorz Królikiewicz (geb.1939)
Filmregisseur, Autor von mehrfach preisgekrönten Dokumentarfilmen (u.a.
SPRAWA LORDA JIMA, 1970;
NIE PLACZ, 1972;
PREKURSOR, 1988;
NOWY POCZATEK, 1991), Spielfilmen (u.a.
PRZYPADEK PEKOSINSKIEGO, 1993), sowie experimentellen Fernsehspielen (u.a.
FAUST, 1976;
IDEA I MIECZ, 1979). Królikiewicz verfaßte auch theoretische Arbeiten über den Film sowie Drehbücher.

Dariusz Jablonski (geb. 1961)
Absolvierte die Regie-Fakultät an der Filmschule in Lodz. Regisseur von Dokumentarfilmen, u.a. von dem mehrfach preisgekrönten
FOTOAMATOR (1998). War Assistent von Krzysztof Kieslowski bei der Herstellung der Filme
KROTKI FILM O MILOSCI / EIN KURZER FILM ÜBER DIE LIEBE und
KROTKI FILM O ZABIJANIU / EIN KURZER FILM üBER DAS TÖTEN. Produzent, Eigentümer des Studios "Apple Film Production". Seit 1994 stellvertretender Vorsitzender, seit 1999 Vorsitzender des Vereins der Unabhängigen Filmproduzenten.

Maciej Drygas (geb. 1956)
Absolvierte Regie in Moskau. Autor der Dokumentarfilme:
STAN NIEWAZKOSCI (1994),
USLYSZCIE MOJ KRZYK (1991). Arbeitete mit Krzysztof Kieslowski bei der Herstellung des Films
PRZYPADEK / ZUFALL (1981) zusammen.
DAS DOKUMENTAR- UND KURZFILMFESTIVAL
Alljährliches Festival, das in Krakau seit 1961 in einheimischer, seit 1964 auch in internationaler Form stattfindet. 1990 ist die einheimische Fassung für sieben Jahre eingestellt worden; 1997 haben die Veranstalter die alte Form wiedereingeführt, so daß das nationale Festival nun parallel zu dem internationalen stattfindet. Die Jury des internationalen Festivals verleiht den ?Goldenen Drachen", des nationalen - den "Goldenen Lajkonik".
Beim Krakauer Festival in den 90er Jahren preisgekrönte polnische Dokumentarfilme:
- 1991 USLYSZCIE MOJ KRZYK, Regie: Maciej Drygas - "Silberner Drache"
- 1995 WSZYSTKO MOZE SIE PRZYTRAFIC, Regie: Marcel Lozinski - "Grand Prix - Goldener Drache"
- 1997 NAJSZCZESLIWSZY CZLOWIEK, Regie: Barbara Balinska und Krzysztof Kalukin - "Goldener Lajkonik"; CZARNE TULIPANY, Regie: Jan Sosinski - "Silberner Lajkonik"
- 1998 KROK, Regie: Marek Piwowski - "Bronzener Drache"; ZAMIEN MNIE W DLUGIEGO WEZA, Regie: Maria Zmarz-Koczanowicz - "Bronzener Drache"; ARIZONA, Regie: Ewa Borzecka - "Goldener Lajkonik"; SYBERYJSKA LEKCJA, Regie: Wojciech Staron - "Silberner Lajkonik"
- 1999 SIOSTRY und TAKA HISTORIA, Regie: Pawel Lozinski - "Goldener Lajkonik"; TATA, I LOVE YOU, Regie: Piotr Morawski - "Silberner Lajkonik"
- 2000 BENEK BLUES, Regie: Katarzyna Maciejko-Kowalczyk - "Goldener Lajkonik"; JAN LEBENSTEIN - DZIENNIK SAMOTNIKA, Regie: Andrzej Wolski - "Silberner Lajkonik"